Politik und politische Geschichte Paraguays

Schon vor langer Zeit habe ich an dieser Stelle angekuendigt die politschen Verhaeltnisse Paraguays zu veranschaulichen. Dieses Versprechen moechte ich nun so kurz vor Ende meines Aufenthalts noch einloesen:

Stroessner

Paraguay ist heute zwar eine Demokratie, diese wird vom Freedom House (einer Forschungseinrichtung die jährlich einen Bericht über den Grad der demokratischen Freiheiten herausgibt) nur als teilweise frei eingestuft. Denn die heutige politische Situation ist immer noch stark von den Folgen der 35-Jahre-andauernden Diktatur des Alfredo Stroessner, dessen Vater ein deutscher Einwanderer war, gepraegt.
Nach dem 2. Weltkrieg herrschten in Paraguay sehr unstabile Verhaeltnisse. 1954 gelang es dem Militaergeneral Stroessner sich durch einen Putch an die Spitze des Staates zu setzen. Damit begann auch die 54-Jahre-lange Herrschaft der Partido Colorado. Waehrend seiner Herrschaft war die Partido Colorado so etwas wie die Staatspartei, denn viele Staats- und Parteiaemter begannen zu verschmelzen, aehnlich wie in NS-Deutschland und haeufig musste man, um einen Arbeitsplatz zu bekommen, Mitglied in der Partei sein. Es gab zwar Wahlen, diese waren aber gefaelscht, deshalb erhielt die Partido Colorado immer grosse Zustimmung.
Stroessner herrschte sehr autoritaer, unter ihm kamen offiziel 400 Menschen zu Tode, inoffizielle Schaetzungen gehen von 3000 aus. Er schnitt Versammlungsrecht, Meinungsrecht und andere Freiheiten massiv ein, wurde aber fuer seinen harten Antikommunismuskurs von den USA finanziell unterstuetzt. Innerhalb der Bevoelkerung gab es Spitzel, die, wie IMs in der DDR, den Staat mit Informationen ueber beunruhigende Aktivitaeten seiner Buerger informierten. Ausserdem war ein konservatives Erscheinsbild vorgeschrieben, sodass es Maenner verboten war, lange Haare oder einen Bart zu tragen.
1989 wehte auch in Paraguay der Wind of Change und Stroessner wurde von General Andres Rodrigez gestuerzt, der Paraguay in eine Demokratie überfuehrte und  die Pressefreiheit einfuehrte. Bereits 1993 gab es die ersten freien Wahlen. Diese gewann die Partido Colorado.
Der naechste Meilenstein in der Geschichte Paraguays ist das Jahr 2008. Hier gewann Fernando Lugo, ein parteiloser Bischof ,der als Kandidat von einem Buendnis saemtlicher linker Parteien aufgestellt wurde, die Presidentschaftswahlen und damit zum ersten Mal nicht die Colorados. Er ist Befreiungstheologe und hatte den Spitznamen „Bischof der Armen“. Er verlor allerdings sehr viel Ansehen, da kurz nach seiner Wahl bekannt wurde, dass er mehrere Affaeren hatte, aus denen auch schon Kinder hervorgegangen sind. Dies war und ist immernoch das Lieblingsthema saemtlicher Comedians in Paraguay.
Angetreten war Lugo mit dem Vorsatz, die Armut zu bekaempfen, vorallem die der landlosen Kleinbauern, der Campesinos, die Rechte der Indigenas zu staerken und die Korruption zu beenden. Bis jetzt ist ihm das nicht wirklich gelungen.

Wetterabhaengigkeit

Es ist inzwischen tiefster Winter. In einem tropischen Land ist Winter allerdings etwas anders als in Europa. Soll heissen: es ist nicht durchgaengig kalt. Vor zwei Wochen war es sogar fuer ein paar Tage ueber 25°C warm. Im Moment haben wir eine Kaeltewelle mit Temperaturen um die 5°C. Durch die hohe Luftfaeuchtigkeit nagt einem die Kaelte aber ziemlich an den Knochen. Zudem regnet es sehr viel. Das schlechte Wetter wirkt sich hier sehr auf das Leben aus. Bei starken Regenfaellen schicken viele Eltern ihr Kinder nicht in die Schule, da die Strassen ausserhalb Asunción bei Regenwetter nur schwer befahrbar sind. Ausserdem wirken viele Paraguayer bei kalten Temperaturen betruebt und haben keien Lust etwas zu unternehmen, sondern bleiben lieber zuhause. Ein gewisses Sportereignis im Juni und Juli aber, liess die allgemeine Stimmung im Land steigen.

Fussball-WM 2010

Ich habe schon haeufiger von dieser Stelle aus ueber die Fussballverruecktheit dieses Landes berichtet. Deshalb deshalb darf ein

passionierte Paraguayer fiebern beim Elfmeterschiessen mit

Bericht, wie dieses Land die Weltmeisterschaft erlebte natuerlich nicht fehlen:
Die paraguayische Nationalmannschaft hatte sich bereits am vorvorletzten Spieltag der Suedamerikagruppe fuer die WM in Suedafrika qualifiziert. Ich hatte bereits beschrieben, wie ausgelassen dies gefeiert wurde. (siehe Artikel Get Up, Stand Up) Auf Grund der Zeitverschiebung fanden die Spiele entweder um 10 Uhr oder 14 Uhr statt. Debatten zwischen Arbeitgebern und –nehmern, ob man waehrend der Spiele der Nationalmannschaft frei haben koennte, gab es hier erst gar nicht. Denn es war von Anfang an klar, dass waehrend der Spiele niemand arbeiten wuerde. Deshalb stand das Leben waehrend den Begegnungen der Albirroja (die Rot-weiss-gestreiften) 90 Minuten-lang vollkommen still: Es fuhren weder Autos noch Busse. Geschaefte wurden geschlossen, niemand lief durch die  Strassen, denn alle hatten sich vor Fernsehern versammelt.
Paraguay war bei vorherigen Weltmeisterschaften nie weiter als ins Achtelfinale gekommen und so wurde dem Spiel gegen Japan sehr entgegengefiebert, da der Glaube an die Mannschaft sehr gross war. Dieses begann am Dienstag, 30. Juni um 10 Uhr paraguayischer

Fussballparty in der Innenstadt

Zeit. Ich traf mich mit ein paar Freunden in einer Bar und trotz der Fruehe tranken wir schon zu diesem Zeitpunkt ein paar Bier. Nach dem Sieg im Elfmeterschiessen war natuerlich klar, dass dieser historische Moment gefeiert werden musste. So gingen wir, nach dem obligatorischen Autokorso ins Zentrum von Asunción,  wo wir auf viele andere trafen, die mit uns noch lange den ersten Viertelfinaleinzug ausgelassen feierten. Zum Glueck wird in paraguayischen NGOs nicht erwartet das unentgeltliche Mitarbeiter an so einem historischen Tag noch zur Arbeit erscheinen.            Waehrend des Viertelfinales gegen Spanien war ich im Urlaub in Buenos Aires. Deshalb kann ich nicht sagen, wie die Stimmung war. Die Mannschaft wurde allerdings bei ihrer Ankunft am Flughafen von Asunción von einer riesigen, jubelnden Menschenmenge empfangen.
Zum Schluss moechte ich noch hinzufuegen, dass nach der 4:0 –Niederlage gegen Deutschland, ganz Argentinien mit haengenden Koepfen durch die Strassen lief.

Mein Jahr in Paraguay ist fast vorbei. In einer Woche am 29. Juli komme ich wieder in Frankfurt an. Der naechste und wahrscheinlich vorerst letzte Blogeintrag wird deshalb ein Fazit ueber ein besonders Jahr in Suedamerika sein. Ausserdem erwarten wir von Tierraviva noch den Urteilsspruch des Inter-Amerikanischen Menschenrechtsgerichtshof im Falle der Xákmok Kásek. Diesen moechte ich natuerlich auch noch bekannt geben.
Verabschieden moechte ich mich dieses Mal mit einem Foto, das wieder eines dieser beeindruckenden aber etwas verrueckten Erlebnisse zeigt, die ich hier gemacht habe. Auf diesem Foto ist das Fussballspielen waehrend der „Fiesta de San Juan“ zu sehen. Dies ist ein Feiertag Ende Juni an dem man sich abends trifft um zu essen und zu trinken. Es ist Tradition, dass Kinder auf dem Fest mit einem brennenden Fussball spielen, dieser besteht aus in Oel getraenkte Lappen. Der „Ball“ ist meistens nach einer Minute abgebrannt. Dann wird eine neuer geholt und so geht das Spiel ein paar Mal. Manchmal wird auch mit mehreren Baellen gleichzeitig gespielt. Dass dieses Spiel durchaus gefaehrlich ist, da der Ball manchmal auf Personen oder herumstehende Festzelte fliegt, stoert aber niemanden gross. Das passt zur suedamerikanischen Unbekuemmertheit.

Saludos

Nicolas

brennender Fussball beim San Juan

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