Eine besondere Reise nach Peru

Schon seit ueber einem Monat habe ich nichts mehr von mir hoeren lassen. Das liegt hauptsaechlich daran, dass ich mich mit

Interview mit Fernsehsender Cerro Cora SNT

Denguefieber infiziert hatte und deshalb eine Woche vollstaendige Bettruhe und noch einige Zeit mehr fuer die vollstaendige Regeneration benoetigte. Obwohl ich  nur eine relativ harmlose Variante des Denguefiebesr hatte, war es doch eine suedamerikanische Erfahrung, auf die ich gerne verzichtet haette. Nun bin ich aber wieder gesund, deshalb kommt jetzt, wie im letzten Blogartikel angekuendigt, der Bericht ueber den Fall der Xákmok Kásek vor dem Inter-Amerikanischen Gerichtshof fuer Menschenrechte in Lima, Peru.

Am 9.4.10, dem Freitag vor der Abreise, veranstallteten wir eine Pressekonferenz mit unseren Anwaelten und den Vertretern der Xákmok Kásek. Dorthin kamen die Vertreter der groessten Zeitungen und zwei  Fernsehteams. Spaeter am Tag in unserem Radioprogramm ging es hauptsaechlich um die Anhörung.

Die Delegation

Am Sonntag den 11.4. traf sich die Delegation von Tierraviva am Flughafen von Asunción, um von hier aus nach Lima aufzubrechen. Die Delegation bestand aus:

Die Delegation: v.l.n.r Antonia Ramirez, Dr. Rodrigo Villagra, Maria-Julia Cabello, Oskar Ayala Amarilla, Nicolas Soemer, Marcelion Lopez, Maxi Ruíz

-Marcelino Lopez (48 Jahre)
1. Lider(die Gemeinde hat mehrere) der Gemeinde Xákmok Kásek und Hauptklaeger vor dem Menschenrechtsgerichtshof. Er ist seit 35 Jahren als Lider aktiv und war einer derjenigen, die vor 20 Jahren ihren Anspruch auf das Land der Gemeinde beim INDI (staatliche Behoerde zustaendig fuer Indigenas) angemeldet hatten..

–          Anwalt Oskar Ayala Amarilla (40)

Er arbeitet seit 15 Jahren fuer Tierraviva und ist seit 2006 Coordenative Executive. Er trat bereits als Anwalt in den Faellen der Yakye Axa und der Sawhoyamaxa vor dem Menschenrechtsgerichtshof auf.

–          Anwaeltin Maria Julia Cabello (33)

Nach ihrem Rechtsstudium machte sie ein Praktikum bei Tierraviva. Zu dieser Zeit wurde ein neuer Anwalt bei Tierraviva gesucht und da sie schon immer Interesse am Thema Menschenrechte hatte, nahm sie die Stelle an. In rechtlichen Angelegenheiten hat sie schon viele Gemeinden vertreten, der Fall vor dem Menschenrechtsgerichtshof war bis jetzt ihre groesste Herausforderung.

–          Assistent Nicolas Soemer (21)

Ich wurde offiziell beim Gerichtshof als Assistent angemeldet. Das sicherte mir einen Platz am Tisch unserer Anwaelte mit guter Aussicht auf das Geschehen und ein paar respektvolle Blicke aus dem Publikum.

Des weiteren als geladene Zeugen

–          Maximiliano Ruíz (29)

Er arbeitet als Lehrer in der Grundschule der Gemeinde, kennt sich deshalb gut aus mit den Problemen des fehlenden Landes und  auch mit den Problemen der fehlenden Mittel fuer Bildung. Er war bereits als Vertreter der Xákmok Kásek zur Inter-Amerikanischen Kommission fuer Menschenrechte nach Washington, D.C.  gereist.

–          Antonia Ramirez (60+)

Durch die schlechte medizinische Versorgung hatte sie ihre Schwester und ihre Mutter, die zu den Dorfaeltesten gehoerten, verloren. Ausserdem war sie schon immer sehr engagiert und wurde deshalb als Zeugin ausgesucht. Ihr genaues Alter weiss sie uebrigens nicht, aber sie hat ihr gesamtes Leben in der Gemeinde verbracht. Dies merkte man deutlich in der 8-Millionen-Einwohner Stadt Lima. Die Zeit dort muss fuer sie wohl ein wenig wie eine expressionistische Erfahrung gewesen sein: Alles erschien ihr viel zu hektisch, laut und modern. So musste man ihr z.B. zeigen, wie man eine Rolltreppe benutzt.

–          Dr. Rodrigo Villagra (39)

Er studierte unter anderem Anthropoghie in Schottland, da dieser Studiengang nicht in Paraguay angeboten wird. So wurde er der

kurz vor Beginn der Anhoerung gut gelaunt: Dr. Pablo Balmaceda(l.) u Dr. Rodrigo Villagra

erste Promovierte der soziologischen Anthropologie in Paraguay. Seine Doktorarbeit schrieb er ueber das Leben der Indigenas im Chaco. Deshalb war seine Meinung als Experte ueber das Leben von Indigenas, wie schon im Fall der Yakye Axa Gemeinde, vor dem Gerichtshof gefragt.
Er war einer der Grueder und ist der aktuelle President Tierravivas.

Als Experte war zudem geladen:

–          Dr. Pablo Balmaceda (58)

Er studierte waehrend des Kalten Krieges Medizin in Polen, da er am dortigen Gesundheitssystem interessiert war. Der damalige Diktator Paraguays Alfredo Stroessner liess deshalb sogar voruebergehend seine Eltern verhalften. Stroessner fuhr waehrend seiner Herrschaft naemlich einen Anti-Kommunismuskurs, fuer den er von den USA finanziell unterstuetzt wurde. Pablo kehrte nach seinem Studium nach Paraguay zurueck und arbeitete seitdem viel mit Indigenas,  z.B. erstellte er Statistiken ueber den Gesundheitszustand der indigenen Bevoelkerung. Er war schon als Experte zu den beiden vorherigen Gerichtsfaellen gereist. Als vor zwei Jahren Fernando Lugo zum Presidenten gewaehlt wurde, wurde Pablo offizieller Beauftragter fuer Gesundheitsfragen von Indigenas im Gesundheitsministerium.

An dieser Stelle moechte ich erwaehnen, dass der Gerichtshof nur die Reisekosten von Dr. Pablo Balamaceda uebernahm. Die Flugtickets fuer die Indigenas zahlte Tierraviva. Haette Tierraviva die Reisekosten nicht uebernommen, haetten die Indigenas die Reise, um ihre Rechte einzufordern, nicht machen koennen. Das bedeutet, dass sich das Einfordern von Menschenrechte, was universel jedem Menschen zustehen sollte, nur Menschen mit einem gewissen Wohlstand leisten koennen.

Auch mit dem Taschengeld eines Weltwaertsfreiwilligen ist eine solche Reise nur schwer machbar, deshalb moechte ich mich bei meinen Eltern bedanken, dass sie mich bei der Finanzierung  der Reise unterstuetzen.

Erste Tage in Peru – Vorbereitung auf die Anhörung

Kurz nachdem wir am Sonntag in Peru ankamen trafen sich unsere Anwaelte mit denen des Staates, der Kommission und Vertretern des Gerichtshof. Dort kam es zum ersten Aufreger: Der Staat wollte keinen Guaranidolmetscher fuer Antonia Ramirez, die kaum Spanisch spricht, bereitsstellen, obwohl Guarani eine der offiziellen Landessprachen Paraguays ist.

Den Montag und Dienstag verbrachten wir mit der Kommission zur Vorbereitung auf die Anhörung. So wurden die Fragen und Plaedoyers aufeinander abgestimmt. Denn fuer die Befragung der Zeugen hatte jede Partei nur 15 Minuten Zeit.
Am Montagnachmittag kam dann der naechste Eklat: Das paraguayische Gesundheitsministerium hatte Dr. Pablo Balmaceda mitgeteilt, dass er entlassen werden wuerde, sollte er vor dem Gerichtshof aussagen. Das war natuerlich ziemlich schockierend fuer ihn. Er, der schon vor der Stroessner-Diktatur keine Furcht hatte,  machte das einzig Richtige: Er suchte die Richter des Menschenrechtsgerichtshof auf, um ihnen diese Erpressung mitzuteilen.

Die Anhörung

Am Mittwochmorgen um 9:00 war der grosse Augenblick gekommen – die Verhandlung begann. Pablo musste keine Angst um seine Arbeitsstelle haben, denn die Richter hatten dem Staat klar gemacht, dass eine Aussage vor Gericht kein Kuendigungsgrund sei, sondern eine Buergerpflicht darstelle. Ausserdem hatte der Staat einen Uebersetzer fuer Antonia Ramirez gefunden. Dieser war allerdings kein professioneller Dolmetscher, sondern ein Mitarbeiter der paraguayischen Botschaft in Lima. Seine Uebersetzung war teilsweise so schlecht, dass unser Anwalt Oskar Ayala ihn unterbrach, um den Sachverhalt richig zustellen.

Die Anhörung begann mit der Zeugenaussage von Maximiliano Ruíz. Er erklaerte wie er als Jugendlicher zum ersten Mal in Erzaehlungen der Grosseltern gehoert hatte, wie sie einst frei auf dem urspruenglichen Land der Xákmok Kásek lebten. Von da an begann er sich fuer die Rueckgewinnung des Landes einzusetzen.  Danach informierte er die Richter ueber die Verschlechterung der Lebensbedingungen auf den Laendereien. So durften die Gemeinde von einen Tag auf den anderen nicht mehr jagen und auch keinen Besuch mehr empfangen. Und er informiert ueber ihren Entschluss, die Laendereien zu verlassen als ihre Hunde vor ihren Augen von den Rangern getoetet wurden.
Als Lehrer sprach er auch ueber Bildungsprobleme. So muss er mit nur zwei anderen Kollegen 85 Schueler im Alter zwischen 6 und 12 Jahren ausbilden. Der Unterricht, für den nur sehr knappe Mittel bereit gestellt werden,  findet in Spanisch und Guarani statt, es gibt keine Moeglichkeit in Enxet, die native Sprache der Xákmok Kásek, zu lehren. Durch diesen Spracheverlust  und durch die fehlende Moeglichkeit zu jagen verliere die Gemeinde einen Teil ihrer Kultur.

Danach folgte Antonia Ramirez mit ihrer Zeugenaussage. Auch sie beklagte den Verlust der Enxet-Sprache.

Indigenas in der Anhoerung

Sie legte Wert darauf, dass Enxet ihre Muttersprache und das Land der Xákmok Kásek ihre Heimat ist. Sie offenbarte dem Gericht auch, dass die Wassersorgung der Gemeinde katastrophal ist. Da es waehrend des Sommers oft acht Monate lang nicht regnet, ist der Staat verplichtet jeden Monat Wassertanks zur Gemeinde zu bringen. Dies geschieht aber sehr haeufig nicht. Aus diesem und Gruenden der schlechten medizinischen Versorgung sind schon viele der Xákmok Kásek gestorben.

Ueber die Gruende der haeufigen Todesfaelle klaerte dann Dr. Pablo Balmaceda auf: Viele Kleinkinder und aeltere Personen sterben im Sommer waehrend extremer Temperaturen von ueber 40 Grad an vermeidbaren Krankheiten wie Diarrhoe oder Kreislaufproblemen, die durch magelhafte Nahrungs- und Fluessigkeitsaufnahme hervorgerufen werden. So gab es in den letzten 20 Jahren 40 vermeidbare Tode. Durch fehlende Ernaehrung kommt es ausserdem haeufig zu Behinderung wie Muskelschwund. Die Salazar-Rancher interessierten sich meistens nicht fuer den Gesundheitszustand der Indigenas, deshalb muessen diese 15 km zur naechsten Krankenstation laufen oder darauf hoffen, mitgenommen zu werden. Besonders schwangere Frauen leiden unter diesen Umstaenden extrem. Allgemein stufte er die hygienischen Bedingungen unter dem paraguayischen Durchschnitt ein. Oft muessen bis zu zehn Personen in einem kleinen Haus leben.

Bis hier hin war es eine sehr interessante Verhanldung gewesen. Trotzdem war ich ueber die Mittagspause an dieser Stelle sehr dankbar, denn es war anstregend, fast vier Stunden dem Diplomatenspanisch zu folgen. Was mir besonders aufgefallen war, war wie agressiv der Staat seine Fragen an die Zeugen stellte und wie sehr er darauf aus war, sich aus der Affaire zu ziehen. So wurde z.B. Maxi Ruiz gefragt, wieso der paraguayische Staat Menschen einsetzen sollen, die sich in erster Linie als Enxet (Name der Sprachfamilie) und nicht als Paraguayer identifizieren.

Nach der Pause ging es weiter mit der anthropologischen Erklaerung von Dr. Rodrigo Villagra. Er erlaeuterte, wie und vor allem auf welchem Gebiet die Xákmok Kásek vor der Privatisierung des Chaco lebten und wie es dazu kam, dass die benachbarte Gemeinde ihnen im Moment die Moeglichkeit des Exil bietet. Ausserdem stellte er klar, wie die Xákmok Kásek, die einen Dialekt namens Sanapana reden, mit dem Rest der Voelker, die zur Enxet-Sprachfamilie gehoeren, verwandt sind.

Dies war sehr wichtig, denn nach Dr. Villagra sprach Lida Acuña, die Presidentin des INDI (staatliche Behoerde fuer Indigenas), als geladene Zeugin des Staates. Sie behauptete, das INDI waere verwirrt durch die beiden Bezeichnungen Enxet und Sanapana gewesen. An dieser Stelle moechte ich anmerken, dass die Verwirrung nicht noetig gewesen waere, da eine Doktorarbeit ueber die Enxetsprachfamilie mit all ihren Dialekten seit Jahren dem Staat vorliegt. Des Weiteren behauptete sie, dass die Gelder, die der Staatshaushalt fuer das INDI vorsieht, bis heute nicht fuer  Landkaeufe freigegeben wären.

Nach der Aussage von Frau Acuña folgten die muendlichen Plaedoyers. Unsere Anwaelte, wie ebenfalls die der Kommission, warfen dem Staat vor, er habe gegen das Recht fuer Indigenas auf urspruengliches Land, das Recht auf Leben, das Kinderrecht und die Garantie auf rechtlichen Schutz verstossen. Der Staat auf der anderen Seite sah sich handlungsunfaehig, da er aufgrund der unterschiedlichen Namen der Sprachfamilie (Enxet und Sanapana) nicht gewusst haette, von welcher Gemeinde und von welchem Volk die Rede gewesen waer. Da Tierraviva die in offiziellen Antraegen an den Staat die beiden Namen oft vertauscht haette, haetten wir zudem gegen administratives Recht verstossen.

Ein Urteil wurde an diesem Tag noch nicht gesprochen. Dieses folgt erst nach der Abgabe der schriftlichen Plaedoyers und wird fuer Anfang Juli erwartet. Ihr werdet es also auch noch erfahren.

Fuer mich war die Teilnahme an dieser Verhandlung einer der Hoehepunkt in meinem Zivildienstjahr: wer hat schon die Gelegenheit dabei zu sein, wenn es um die Durchsetzung von Menschenrechten geht. Ich war auf meinen Assistentenstatus sehr stolz.

Lima

Am Tag nach der Anhoerung hatten wir Zeit, uns die Stadt anzuschauen und ein wenig am Meer zu entspannen. Es war das erste Mal

Lima, Pazifikkueste, Stadtviertel Miraflores

fuer die Indigenas, dass sie ein Meer sahen. Nachmittags ging es fuer den Grossteil der Delegation zurueck nach Paraguay.

Lima hat mir gut gefallen. Die Stadt ist sehr viel groesser und moderner, im Moment wird sogar ein U-Bahnnetz gebaut, allerdings auch um einiges teurer als Asunción. Vorallem aber halten sich dort viele Touristen auf, so konnte ich beim Fruehstueck einmal am Nachbartisch ein Gespraech in durchdringenden Oesterreichisch ueber den Unterschied zwischen den Anden zu den Alpen belauschen. Was mir vorallem aber auffiel war, wie sauber Miraflores, das Stadtviertel direkt am Meer, in dem sich unser Hotel befand, und das Zentrum von Lima sind. Auf dem Weg zum Flughafen konnte ich aber sehen, dass die aermeren Viertel ausserhalb des Stadtkerns aussehen wie ueberall in Lateinamerika..

Ferien in Cusco und am Machu Picchu

Kathedrale von Cusco

Von Lima ging es fuer mich weiter in die Ferien nach Cusco. Eine Stadt im Landesinnern Perus mit einer halben Millionen Einwohner. Cusco liegt auf 3400 Metern und dementsprechend duenn ist die Luft. Waehrend des gesammten Aufenthalts dorts war jegliche Taetigkeit in Form von koeperlicher Anstrengung, ziemlich atemraubend. Ein wenig deprimierend war es, den Cusqueños zuzusehen, die auf dem Sportplatz neben meinem Hostel problemlos Squash spielten.Um mit dem Hoehenproblemen fertig zu werden, wird empfohlen Kokatee zu trinken. Dieser besteht aus den Blaettern der Kokapflanze, die auch zur Herstellung von Kokain benutzt werden, und beruhigt die Gemueter. In Peru und anderen suedamerikanischen Laendern wehrt man sich deshalb dagegegen, dass die Kokapflanze  als Droge angesehen wird.

Cusco liegt in der Naehe des Machu Picchu. Deshalb ist der Ort ueberfuellt mit Touristen aus der ganzen Welt. Man hat fast das Gefuehl es halten sich dort mehr Touristen als Einwohner auf, dem entsprechend sind auch die Preise. Die meist westlichen Touristen unterscheiden sich von den Einwohnern deutlich. Denn die Einwohnern Cuscos sind die Quechua, die Nachfahren der Ureinwohner Perus. Sie sind klein, haben sehr dunkle Haut und auf Grund der Hoehe grosse Lungen. Sie haben ihre eigene Sprache, ihre eigene Kultur und vor allem ihre eigene Religion. Deshalb mussten sich die spanischen Eroberer einiges einfallen lassen, um den Katholizismus in Peru zu verbreiten. So kann man in der Kathedrale von Cusco ein Kruzifix mit einem kleinen, braunhäutigen Jesus bestaunen, der die Identifizierung mit dem Messias erleichtern sollte. Ebenfalls in der Kathedrale haengt ein Gemaelde des Letzten Abendmahls. Dies hatten die Spanier bei einem peruanischen Maler in Auftrag gegeben und es zeigt in der Mitte des Tisches –im Gegensatz zu dem von Da Vinci – kein Lamm sondern ein Meerschweinchen. Das ist naemlich das traditionelle Festessen der Quechua. Wie 13 Personen von einem Meerschweinchen satt werden sollen ist mir allerdings ein Rätsel. Denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Meerschweinchen kaum genuegend Fleisch hat, um eine Person zu saettigen. Aber wie wir wissen, hat der Heiland schon mit 5 Fischen und 2 Broten eine Menschenmasse gesaettigt, insofern will ich seine gastronomischen Berechnungen hier nicht in Frage stellen.

Zwei Tage nach meiner Ankunft fuhr ich dann auch zum Machu Picchu (Quechua fuer alter Gipfel), einem der Touristenmagnete

meine Kamera streikte mal wieder, deshalb ein offizieles Werbefoto des Machupicchu

Suedamerikas. Der Machu Picchu ist ein Berg auf dessen Gipfel sich eine guterhaltene Inkastadt aus dem 16. Jahrhundert befindet. Diese wurde „in Harmonie mit der Natur“ erbaut, wie es typisch fuer die Bauweise der Quechua ist, deshalb haben ihr die zahlreichen Erdbeben in Peru auch nichts ausgemacht. Auch die typische Terrassenbauweise half, den Berg zu stabilisieren. Wieso die Stadt erbaut und dann verlassen wurde, ist bis heute umstritten. Die Theorien schwanken zwischen einer Zufluchtsstaette und einem ruhigen Ort zur Ausuebung der Religion.

Ein paar Tage spaeter war dann auch die Zeit fuer mich gekommen wieder nach Hause zu reisen. Der Aufenthalt in Peru hat mir sehr gut gefallen. Die Anhörung beim Inter-Amerikanischen Gerichtshof war sehr interessant und vorallem in und um Cusco habe ich viele neue Sachen gesehen. Das Einzige, was mir in Peru gar nicht gefiel war die Panfloetenmusik, die ueberall gespielt wurde und jedem aus Fussgaengerzonen deutscher Grossstaedte bekannt ist. Aber nur ein boeser Mensch wuerde behaupten, die Peruaner traenken soviel Kokatee um diese aushalten zu koennen.

Wiederkehrende Probleme

Als ich am Tag meiner Ankuft im Buero vorbeischaute, staunte ich nicht schlecht, als ich sah, dass 100 Personen der Gemeinde San Fernando (davon ca. ein Drittel Erwachsene, die anderen Kinder) in unserer kleinen Unterkunft hinterm Haus gastierten. Eigentlich war der Kaufvertrag fuer ihr Land schon im Januar (siehe Artikel Enero en Paraguay) abgeschlossen worden. Der Staat haette bis Ende April das Geld an den Besitzer ueberweisen muessen, wie es der Vertrag vorschrieb. Dies schien aber nicht geschehen zu sein und so drohte der Vertrag ungueltig zu werden. Deshalb gingen die 100 Personen jeden Tag vor das Gebaeude der INDI(staatlichen Behoerde fuer Indigenas) um dagegen zu demonstrieren. Dies sorgte auch dafuer, dass das oeffentliche Interesse an dem Vorfall geweckt wurde (http://www.abc.com.py/abc/nota/109178-Nativos-siguen-con-protestas-para-forzar-compra-de-tierra/ Artikel ueber den Vorfall in der groessten Tageszeitung). Bei einem Treffen zwischen der Besitzerin des Landes, Vertretern des INDI und den Anwaelten von Tierraviva wurde eine Verlaengerung des endgueltigen Kaufdatums auf den 15.Juni dieses Jahres festgelegt.

Rechtsfreiheit fuer Polizei und Militaer

In der Woche meiner Rueckkehr wurde ein Versteck der EPP,  das noch nicht lange verlassen war, gefunden Die EPP ist die Terrorgruppe, die Fidel Zavala entfuehrt hatte (siehe Artikel Enero en Paraguay). Die Regierung, die der EPP noch nie so nah auf den Fersen war, beschloss deshalb, den Estado de Excepción zu beantragen. Der Estado de Excepción (zu deutsch Ausnahmezustand) besagt, dass Polizei und Militaer ohne Begruendung und Schuldbeweiss Personen festnehmen und –halten duerfen  und Versammlungen aufloesen koennen . Die beiden legislativen Kammern verabschiedeten am 24. April ein Gesetz, das fuer einen Monat den Ausnahmezustand in 5 Bundeslaender Paraguays, in denen die EPP vermutet wurde, in Kraft treten liess.
Dieses Gesetz beunruhigte viele Menschen. Kritiker warfen der Regierung vor sie versuche dadurch, die Campesinobewegung (Campesinos sind Kleinbauern, die sehr wenig Land besitzen) zu kriminalisieren. Der Vorwurf ist nicht unberechtigt, da kurz nachdem Fidel Zavala frei war, die Tochter des Vorsitzenden der Campesinobewegung festgenommen wurde, zwar mit der Begruendung aber ohne Beweise, der EPP geholfen zu haben.
Ich persoenlich habe dieses Gesetz immer sehr kritisch betrachtet, da es die Rechtsstaatsprinzipien entmachtet und der Polizei die Tuer zu Wilkuer oeffnet.
Das Resultat des Estado de Excepción, der vergangenes Wochenende endete, ist auch nicht gerade berauschend: Es gab zwar ueber 100 Verhaftungen, darunter war aber kein Mitglied der EPP. Die Kleinkriminalitaet ist in den besagten fuenf Bundeslaendern deutlich gesunken. Dies liegt vermutlich an der Polizeipraesenz von zusaetzlich 3.000 Mann: ueber den gesamten Zeitraum wurden 4000 kg Marihuana sichergestellt.

Erwaehnenswert zum Schluss finde ich noch, dass der 1. Mai, der hier Tag der Arbeiter heisst (Dia de los trabajadores) vollkommen unpolitisch ist. Niemand geht demonstrieren. Es ist eher typisch, dass man sich mit seinen Arbeitskollegen zum Essen trifft oder einen trinken geht.

Mit ueber 3000 Woettern war dies bis jetzt mein laengster Blogbericht. Ich weiss, dass man Bloglesern solche Monster eigentlich nicht zumuten kann. Dafuer moechte ich mich entschuldigen. Das Denguefieber hatte mich ziemlich aus der Bahn geworfen und so kam ich mit dem Schreiben nicht hinterher. Allerdings sollten die Leser auch wissen, was ich hier in den letzten Wochen alles erlebt habt- für einen Zivi ziemlich viel.

Ich moechte mich dieses Mal mit einem Bild aus diesem fussballverrueckten Land verabschieden. Dieses Foto zeigt eine Filiale einer grossen Supermarktkette. An der Decke haengen Flaggen aller Teilnehmerlaender der Weltmeisterschaft, geordnet wie in den Vorrundengruppen.

Deutschlands Gruppe D im Supermarkt

Dann kann die WM ja kommen.

Saludos

Nicolas

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