Enero en Paraguay

Feliz Año Nuevo, Ein frohes Neues Jahr 2010 und damit herzlich wilkommen zu meinem ersten Blogeintrag im neuen Jahr. Dieser erscheint erst so spaet, da der Januar in Paraguay der Sommerurlaubsmonat ist: Alle Schueler und Studenten haben Ferien, die meisten Paraguayer nehmen sich Urlaub, das Parlament tagt nicht und die paraguayische Fussballliga ist noch in der Sommerpause. Folglich ist es die Zeit des Sommerlochs. Im Buero war es sehr ruhig, da die meisten meiner Kollegen in Ferien waren. Waehrend des Januars senden wir auch keine Radioprogramme.

Weihnachten und Neujahr in Paraguay

Die Festtage habe ich gut ueberstanden, auch wenn sie sehr unterschiedlich zu den deutschen sind. Die Zeit zwischen den Jahren hat hier einfach nicht den Stellenwert wie in Deutschland. Weihnachten ist fuer die meisten Leute ein ganz normaler Arbeitstag und alle Geschaefte haben geoeffnet. Das eigentlich Fest beginnt erst abends. Wie schon im letzten Artikel erwaehnt, gibt es hier an Weihnachten in den meisten Familie keine Geschenke. Das Fest beginnt gegen 10 Uhr abends mit einem sehr grossen Abendessen, in vielen Familie mit der gesammten Grossfamilie. Um Mitternacht ist es ueblich vor die Tuer zu gehen und den Nachbarn Frohe Weihnachten zu wuenschen. Hier und da gibt es auch ein wenig Feuerwerk. Kurz danach riefen sehr viele Verwandte an, um uns zu beglueckwuenschen. Denn Rest der Nacht verbrachte ich mit meiner Familie im Vorgarten und es kamen von Zeit zu Zeit Freunde und Verwandte vorbei, um mit uns anzustossen. Es ist aber auch nicht unueblich, dass sich Jugendliche nach Mitternacht mit ihren Freunden treffen oder feiern gehen.
Als ich meiner Gastmutter erklaerte, dass man in Deutschland, unter anderem auf Grund des Wetters den Heiligen Abend im Haus im kleinen Kreis verbringt, meinte sie, dass waere ja furchtbar, denn dann waere man ja vollkommen isoliert.
Ich weiss nicht ob es an den hohen Temperaturen, dem Plastiktannenbaum oder den fehlenden Weihnachtsaccessoires lag, aber Weihnachten in Deutschland gefaellt mir doch deutlich besser. Hier erinnerte es mich vom Ablauf her an das deutsche Sylvester, von dem sich das paraguayische Silvester auch unterscheidet: Bis 24 Uhr ist es naemlich ein Familienfest. Den eigentlichen Jahreswechsel verbringt man immer mit der Familie und geht erst danach mit Freunden auf die Piste. Deshalb machen saemtliche Discos und Clubs auch erst gegen 0:30 auf. Dafuer feiert man dann bis zum Sonnenaufgang oder noch laenger. Ich war mit meiner Gastfamilie auf einer grossen Feier im Sportclub Sajonia, dort spielte zwar eine Liveband aber es gab keinen Countdown, was ich ein wenig schade fand.

Was mir an den Festtagen allerdings gut gefallen hat ist der Sidre. Der Sidra, das fuer diese Jahreszeit typische Getraenkt, ist ein Wein der aus Aepfeln gepresst wird. Im Gegensatz zu unserem Frankfurter Äppelwoi(Apfelwein fuer alle nicht-Hessen) ist er aber trueb und deutlich suesser

TODOS SOMOS FIDEL

Am 17.Januar kam die Nachricht, die ganz Paraguay aufatmen liess: Fidel Zavala ist von seinen Entfuehrern nach 94 Tagen freigelassen worden!
Am 15. Oktober.2009 war der Grossgrundbesitzer Fidel Zavala Serrati, dessen Familie zu den reichsten des Lands gehoert, von seinem Landsitz in der Naehe von Concepcion, einer Stadt im Norden Paraguays, von der EPP entfuehrt worden. Die EPP – Ejército del Pueblo Paraguayo (paraguayische Volksarme) – ist eine links-radikale Guerillagruppe, deren Groesse auf ca. 20 Mitglieder geschaetzt wird. Ihr werden Kontakte zur FARC in Kolumbien nachgesagt und ihr Ziel ist die Einfuehrung eines revolutionaeren Sozialismus.

die weisse Schleife fuer Fidel

Das Ereignis hatte landesweit Bestuerzung hervorgerufen. Um diese auszudruecken wurde die Aktion „TODOS SOMOS FIDEL“ – Wir alle sind Fidel – ins Leben gerufen. An vielen oeffentlichen Plaetzen gab es Banner mit diesem Slogan. Das eigentliche Symbol aber war eine weisse Schleife. Diese war an sehr vielen Autos zu sehen und sogar die groessten Tageszeitungen druckten sie neben ihre Logos auf dem Titelblatt.
Auf der Suche nach Fidel, der zu einem der beruehmtesten Paraguayer geworden ist, hatte sich die Polizei nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Denn die EPP kennt sich in der Gegend um Concepcion excellent aus und so hatte die Polizei nie eine wirkliche Spur von den Entfuehrern gefunden. Erst nachdem die Familie Zavala 550.000 US$ Loesegeld bezahlt hatte, wurde Fidel freigelassen. Eine weitere Forderung der EPP an die Familie war die kostenlose Verteilung von mehreren Tonnen Fleisch in einem Armenviertel von Asuncion und an die indigene Gemeinde der Mbyá-Guarani in der Naehe von Concepcion. Die Mbyá-Guarani wollten aber mit den kriminellen Machenschaften der EPP nichts zu tun haben und lehnten das ihnen gebrachte Fleisch mit der Begruendung ab: „Wir sind arm, aber wir haben Wuerde!“.

FUERZA CABAÑAS

Einen weiteren Schicksalschlag fuer die Paraguayer ist die Situation des beliebten Nationalstuermers Salvador Cabañas. Diesem wurde am 25.Januar in einer Bar in Ciudad de Mexico eine Kugel in den Kopf geschossen. Er hat das Attentat ueberlebt, ist am letzten Samstag aus dem Koma wieder aufgewacht und soll sogar ein paar Worte mit seiner Familie gesprochen haben. Das hat natuerlich grosse Erleichterung hervorgerufen, denn sehr viele Paraguayer waren besorgt um ihren „Chava“. In seiner Heimatstadt

Banner fuer "Chava"

Itauguá versammelten sich im dortigen Stadion am Mittwoch mehr als 5000 Menschen um ihre Solidaritaet auszudruecken. Im Moment ist er hier das wichtigste Gespraechsthema. Ob und wann der Stuermerstar, der fuer die WM in Suedafrika als gesetzt galt, wieder Fussball spielen und Tor schiessen kann, ist allerdings genauso unklar wie die Motive fuer Angriff.

ERFOLGE UND NIEDERLAGEN AUS DER ARBEIT BEI TIERRAVIVA

Bei Tierraviva ist trotz der ruhigen Zeit doch einiges Interessantes passiert: Um die Weihnachtszeit herum haben wir viele Weihnachtskarten und Briefe fuer die Yakye Axa und Sawhoyamaxa aus Nordamerika und Grossbritanien erhalten. Alle mit froehlichen Weihnachtsgruessen und natuerlich der Hoffnung, dass sie nun endlich ihr Land bekommen. Die Indigenas haben sich darueber sehr gefreut, auch wenn der Grossteil von ihnen die meist in English geschriebenen Karten nicht versteht, freuen sie sich doch ueber die weltweite Solidaritaet. Unter den Grüssen  war auch welche einer Schulklasse aus Kanada. Da musste ich an mein Auslandsjahr in Kanada zurueck denken. Dort schrieben wir einmal im Spanischunterricht– ebenfalls im Rahmen einer Kampagne von Amnesty International – Briefe an einen in Cuba inhaftierten Menschrechtler. Damals verstand ich nicht wirklich, was die Briefe bringen sollten. Heute, da ich die Reaktion der Empfaenger gesehen habe, kann ich den Sinn dieser Aktion verstehen. Ich denke, dass diese Aktion, genauso wie es die weisse Schleife und Fuerza Cabañas gezeigt haben, dass es gut ist fuer die Betroffen zu wissen,, dass sie  in ihrer schwierigen Situation nicht allein sind oder wie man als Fussballer sagt „ you´ll never walk alone“.

Der unterzeichnete Kaufvertrag des Landes von San Fernando

Erfreulich ist zudem die Nachricht der Gemeinde San Fernando: Noch kurz vor Ende des letzten Jahres hatte die INDI (staatliche Behoerde zustaendig fuer Indigenas) es geschafft, das urspruengliche Land der Indigenas von seiner heutigen Besitzerin zu erwerben. Die Indigenas aus San Fernando und Tierraviva hatten die INDI unter Druck gesetzt, das Land noch vor dem Jahreswechsel zu kaufen, denn der Jahreshaushalt 2009 der INDI liess dies zu. Ob das 2010 klappen würde, war  allerdings sehr fraglich.  Deshalb war der Druck notwendig. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nun haben 91 Familie der Enxetstammes aus San Fernando endlich ihr eigenes Land zum Leben.
Traurig dagegen ist die Nachricht, die uns aus der Gemeinde Puerto Colón erreichte. Dort starben um den Jahreswechsel drei Kleinkinder, die alle zwischen einem und drei Jahre alt waren, an Diarrhöe. Die Gemeinde Puerto Colón befindet sich in der Naehe des Flusses Rio Paraguayo im Bundesland Presidente Hayes und ist nur ueber Wasser zu erreichen. Die naechste grosse Stadt ist Concepción, die ca. 40 km suedlich der Gemeinde auf der anderen Seite des Flusses im gleichnamigen Bundesland liegt. Schon in der Vergangenheit hatte es oft Probleme gegeben, denn die Krankenhaeuser und die  medizinischen Verwaltung von Concepción fuehlten sich nicht fuer die Indigenas aus dem anderen Bundesland verantwortlich. Oft wurden kranke Indigenas abgelehnt, mit der Begruendung sie sollten das Krankenhaus von Villa Hayes, der Hauptstadt von Presidente Hayes, aufsuchen. Diese ist allerdings 250 km Luftlinien von Concepción entfernt und der Weg ueber Landstrassen ist fast doppelt so lang. Vergangenes Jahr hatte der Staat der Stadtverwaltung von Concepción ein Boot zur Verfuegung gestellt, mit dem sie sich um Notfaelle von Indigenas, die noerdlich von Concepción am Fluss wohnen, in Porto Colón und andere Gemeinden, kuemmern kann. Im Falle der drei verstorbenen Kinder traff das Boot zwar ein, aber erst zwei Tage nachdem der Líder von Porto Colon das Krankenhaus verstaendigt hatte. So starben die drei Kinder im Boot auf dem Weg zum Krankenhaus.
Im Moment üeberlegen wir, was getan werden muss, damit so etwas nie wieder vorkommt. Denn die medizinische Versorgung fuer indigene Gemeinden ist generell ziemlich schlecht, so starben allein in der Gemeinde der Sawhoyamaxa in den vergangen Jahren 18 Kinder an  Krankheiten, die bei besserer medizinischer Betreuung heilbar gewesen wären..

Fuer mich war der Januar ein erfolgreicher Monat. Ich bin nun endlich mit der Uebersetzung der Website fertig geworden. Im Moment arbeiten wir noch am letzten Schliff fuer das neue Design, in wenigen Wochen sollte die neue Seite dann Online sein.

EINE PERSÖNLICHE BITTE:

Zum Schluss moechte ich noch eine freudige  Nachricht in eingener Sache bekannt geben: Mein Blog wurde auf dem Sprachportal Lexiophiles fuer die „The Top 100 International Exchange and Experience Blogs 2010“ nominiert. Wer an meinem Blog gefallen hat und mich unterstuetzen moechte, kann auf

http://www.lexiophiles.com/ix09/vote-for-ix10

bis zum14.Februar seine Stimme abgeben. Darüber würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank, Gruesse und bis zum naechsten Mal

Nicolas

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Eine Antwort to “Enero en Paraguay”

  1. Priscila Andrade Says:

    Dear blogger,

    Our IX10 competition is doing great, with some really cool blogs eager to get number 1 spot! We’re very glad you have accepted this challenge and joined us.

    This e-mail is just to remind you there is still time to get your blog up in the list. The voting goes until February 14th at midnight CET (GMT +1), so get down to business and keep voting!

    Wishing you all good luck,

    Priscila
    On behalf of bab.la and Lexiophiles team

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