mba’éichapa ?

mba’éichapa ? Das ist Guarani und bedeutet so viel wie: Hallo, wie geht’s dir? Mir geht es hier gut. Es ist inzwischen Oktober und es wird so langsam Fruehling, d.h. richtig heiss. Als Deutscher ist man ja gewohnt, dass die Tage zu dieser Jahreszeit kuerzer und kaelter werden. Hier werden die Tage etwas laenger, wegen der Zeitumstellung ist es jetzt sogar bis halb acht hell. Aber vor allem ist es ziemlich sommerlich geworden. Es gab schon mehrere  Tage ueber 30ªC und es regnet selten.

Die Paraguayer, die von Natur aus schon Frohnaturen sind, sind jetzt noch besser gelaunt, offener und kontaktfreudiger. Ich bin jetzt schon seit 2 1/2 Monaten hier und seit meinem letzten Blogeintrag habe ich einiges erlebt und einiges hat sich veraendert:
Ich brauche z.B. keine Stadtkarte mehr um mich in Asuncion zu recht zu finden. In meinem ersten  Monat ging ich nicht ohne diese aus dem Haus. Ich hab mich auch daran gewoehnt, dass es morgens keine feste Uhrzeit fuer den Arbeitsbeginn gibt, das ist eigentlich ganz angenehm. Andere Dinge sind fuer mich immer noch ungewohnt, z.B. das niemand aus meiner Familie anklopft, wenn er oder sie mein Zimmer betritt oder das ich von meiner Siesta geweckt werde, nur weil es Kaffee und Kuchen gibt.


Mi Castellano esta mejorando

Mein Spanisch hat sich in den letzten Wochen deutlich verbessert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass seitdem mein Gastbruder Amhed, mit dem ich viel Zeit verbrachte, weil er fliessend Englisch sprach in Deutschland ist.

Ricardo erklaert den Viertklaessler die Situation im Chaco

Ricardo erklaert den Viertklaessler die Situation im Chaco

Seitdem bin ich sozusagen gezwungen, mich mit allen Leute in Spanisch zu unterhalten. Ausserdem mache ich im Moment einen Sprachkurs, um meinen Wortschatz zu erweitern. Dieser Kurs ist im Gegensatz zu dem von AFS ausgewaehlten Anfaengerkursus auch foerdernd. Zudem habe ich angefangen, taeglich Zeitung zu lesen, obwohl ich noch viel Woerter nachschlagen muss.

Da sich mein Spanisch verbessert hat, habe ich auch im Buero neue Aufgaben bekommen. Bei unserer Radioshow bin ich nun der „Telefonist“; ich nehme die eingehenden Anrufe an und gebe sie im richtigen Moment an den Moderator weiter. Eine meiner naechsten Aufgaben wird sein, die Internetseite von Tierraviva ins Englische zu uebersetzen. Letzten Mittwoch war ich mit Ricardo, der fuer die Abteilung Komunikation zustaendig ist, bei einer Schule, Colegio Lumen, und wir haben zusammen vor Viertklaesslern einen Vortrag ueber das Chaco, die Situation der Indigenas und die Aufgaben von Tierraviva gehalten. Das Colegio Lumen ist eine Privatschule und ich fand es sehr interessant zu beobachten, dass kurz vor Schulschluss eine Kolonne von Gucchi-Mamas, die ihre Kinder abholen wollten, in teuren SUV die Strasse vorm Colegio blockierte. Dieses Bild ist mir vom Gaertnerweg aus meinen Anna-Schmidt-Schultagen noch gut in Erinnerung. Das scheint ein internationales Phenomaen zu sein.


Reunion de la CLIBCH

Interessant war auch mein letzter Besuch im Chaco vor 3 Wochen.
Tierraviva hatte mitgeholfen das Treffen der Coordinadora de Líderes Indígenas del Bajo Chaco (Clibch), auf deutsch: Haeuptlinge der Indigenas des Chacos, zu organisieren und unterstuetzte die viertaegige Veranstalltung u.a. mit Nahrungspenden. Meine Kollegen Freddy, Rodrigo, Ireneo und ich waren vor Ort.

reunion de la CLIBCH

reunion de la CLIBCH

Das wichtigste Thema auf der Veranstalltung war natuerlich die Auswertung der  Demonstration am 1. September. Die Lideres (Haeuptlinge) kamen zu einem aehnlichen Ergebnis, wie wir von Tierraviva: Es war zwar ein Erfolg, dass sich soviel Indigenas aus verschiedenen Gemeinden an der Demonstration beteiligt haben, aber insgesamt hatte die Demonstration doch zu wenig mediale Praesenz und hat deshalb zu wenig Eindruck in der Oeffentlichkeit hinterlassen. Im Moment wird ueberlegt, ob es im Dezember noch eine Demonstration geben soll und wie man mehr mediale Aufmerksamkeit auf diese lenken kann.
Ein weiteres Thema war Bildung, denn viele indigene Kinder haben nicht die Moeglichkeit, in die Schule zu gehen. Hinter dem Buero von Tierraviva haben wir eine kleine Wohngemeinde fuer indigene Schueler, die in Asuncion ihr Abitur machen. Leider gibt es sonst kaum solche Wohnmoeglichkeiten und im Chaco gibt es kaum Schulen, die die Indigenas besuchen koennen.

Lider Celso schreibt die Ergebnisse der CLIBCH auf

Lider Gerado schreibt die Ergebnisse der CLIBCH auf

Auch Gesundheit stand auf dem Tagesplan. Denn kranke Indigenas werden oft von Aerzten abgewiesen, weil diese befuerchten, dass die Indigenas, die Rechnungen nicht bezahlen koennen.
Leider wurde waehrend der gesamten Veranstaltung nur Guarani(Sprache der Indigenas) geredet, deshalb mussten mir meine Kollegen staendig das Gesagte in Spanisch oder Englisch uebersetzen. Was ich bemerktswert fand, war, dass waehrend der gesamten Veranstaltung, auch abends nach den Sitzungen, niemand Alkohol trank oder rauchte. Es gibt naemlich, wie in anderen Laendern auch, das Klischee vom faulen Indigenen, der sich den ganzen Tag nur den Kopf zu droehnt. Da an einem Tag ein Lokalpolitiker zu Besuch war, wollte man diesem Vorurteil keine Nahrung geben.

Geografie

An dieser Stelle moechte ich, wie im letzten Artikel angekuendigt, einen kurzen Ueberblieck auf Paraguays Landschaftsbild geben. Paraguay, ein 406.752 km² grosses Land, mit knapp sieben Millionen Einwohnern, wird durch den Fluss Rio Paraguay in zwei Teil aufgeteilt: Die occidentale Region: Das Chaco, ein flaches, duennbesiedeltes Gebiet mit Trockenwaeldern , das 60% der Landflaechen einnimmt: Hier wohnen hauptsaechlich Indigenas. Auch die indigenen Gemeinden, fuer die sich Tierraviva einsetzt, leben hier. Im Norden des Chacos gibt es auch einige deutsch-mennonitische Staedte. Die Mennoniten sind hier vor allem fuer ihren wirtschaftlichen Erfolg mit Milchprodukten bekannt.
mapa de paraguayAuf der anderen Seite: die orientale Region. In diesem sehr huegeligen Gebiet wohnen 97% der Bevoelkerung. Sie ist vorallem durch viele kleine Fluesse gepraegt, die in den Rio Paraguay muenden. Die Hauptstadt Asuncion liegt in der Mitte des Landes. Sie ist die modernste Stadt Paraguays und hat ca. eine halbe Million Einwohner; im Umfeld leben knapp eine weitere Million.

Quinceañera

traditionel: erster Tanz mit dem Vater, modern: funkenspruehender Showeffekt

traditionel: erster Tanz mit dem Vater, modern: funkenspruehender Showeffekt

Der 15. Geburtstag, quince cumpleaños, ist in Lateinamerica der wichtigste Tag im Leben eines Teenagers. Vorallem fuer Maedchen ist es sehr wichtiger Tag, da die Feier den Uebergang vom Kind zur Frau ehrt. In jedem Land sind die Braeuche und Ablaeufe der Feier allerdings ein wenig anders. Bis jetzt habe ich in jedem Haushalt, in dem ich zu Besuch war, das Fotoalbum des 15. Geburtsag im Wohnzimmer liegen sehen, denn man zeigt es Gaesten gerne.
Letzten Monat feierte meine Cousine Daniela ihren 15. Geburtstag und es war

sorgte die ganze Nacht fuer gute Stimmung: die Liveband

sorgte die ganze Nacht fuer gute Stimmung: die Liveband

ein beeindruckendes Fest: Die Feier fand im Clubhaus eines Sportclubs statt und es waren circa 200 Gaeste gekommen. Nachdem alle Gaeste eingetroffen waren, begann gegen halb elf der Abend offiziel mit dem ersten Tanz. Da tanzt die Quinceañera mit ihrem Vater. Danach tanzte jeder Mann und Junge kurz mit dem Geburtstagkind, die als einzige ein weisses Kleid traegt. Darauf folgte eine Fotoshow ueber Beamer. Dann gab es reichlich Essen vom Bueffet. Doch danach ging die Feier richtig los: Alle Gaeste versammelten sich draussen fuer ein Feuerwerk und kurz darauf fing eine Band an, drei Stunden lang zu spielen. Waehrend des gesammten Abends wurde von einem professionelen Team Fotos geschossen und ein Film gedreht.
An dieser Stelle moechte ich erwaehnen, dass die Eltern dieser Cuinceañera sehr wohlhabend sind. Aber es kommt haeufig vor, dass sich Eltern wegen einer Quinceañera verschulden. Ausserdem hat sich inzwischen eine Industrie entwickelt, die sich auf 15. Geburtstagsfeiern speziallisiert hat.
Die Feier ging wohl bis in die fruehen Morgenstunden. Ich fuehlte mich gegen drei Uhr schon sehr muede und waere gerne nach Hause gegangen. Aber mein Gasteltern tanzten vergnuegt bis vier Uhr morgens, erst dann verliessen wir die Feier. Auch das war eine neue Erfahrung fuer mich.

Fussball und „Klinsmann“

In den letzten Wochen hat sich hier im Fernsehen Unglaubliches abgespielt. Es gibt kaum paraguayisches Fernsehen, sondern hauptsaechlich Fernsehsender fuer das gesammte spanischsprachige Suedamerica. Diese werden in Argentinien produziert und das merkte man in den letzten Wochen doch ziemlich deutlich. Was war passiert? Im vorvorletzten Gruppenspiel fuer die Qualification zur WM 2010 hatte Paraguay mit 1:0 gegen Argentinien gewonnen. Argentinien stand danach nur noch auf einem Relegationsplatz. Das war fuer die Argentiniener eine Katastrophe. Das Ergebnis war um so schlimmer weil der argentinische Bundestrainer Diego Maradona ist. Maradona ist in Argentinien nicht nur ein beliebter Ex-Fussballer mit Kultstatus, dem man alles verzeiht, so wie in Deutschland dem „Kaiser“ Franz Beckenbauer. Maradona ist mehr als ein Volksheld, eher etwas Gottaehnliches. Fans haben sogar ihm zu Ehren eine eigene Religion gegruendet. Das ist keine Uebertreibung: in Buenos Aires gibt es die Iglesia Maradoniana. Die Religion hat sogar 40.000 Anhaenger, diese Bezeichnen ihn als D10s. (wortspiel Dios ist span. fuer Gott und Nr. 10 war seine Rueckennummer).
Ihr erinnert Euch, dass Paraguay gegen Argentinien gewonnen hatte und deren Teilnahme an der WM gefaehrdet war. Wie konnte es nun passieren, dass man unter D10s nicht schon qualifiziert war, wie z.B. der Erzrivale Brasilien? Eigentlich sieht man es in Argentinien auch als gottgewollte Ordung an, dass man sich nur mit Brasilien um den ersten Qualifikationsplatz streitet.
Die Medien berichteten jedenfalls schon Wochen vorher tagelang nur ueber die Vorbereitungen der Argentinier auf die letzten Qualifikationsspiele. Viele Fussballexperten kritisierten Maradona und einige forderten sogar seine Entlassung, – fuer andere war das schon wieder Blasphemie.
Letztendlich gewann Argentinien in einem schlechten Spiel gegen Uruguay mit 1:0 und qualifizierte sich direkt. Maradona, der oeffentliche Kritik nicht gewohnt ist, sagte danach in der Pressekonferenz: „An alle die an uns gezweifelt haben, die Frauen moegen das jetzt entschuldigen, ihr koennt mir mal einen blasen.“
Was man davon halten soll, kann jeder fuer sich entscheiden, die gute Nachricht fuer uns Deutsche ist jedenfalls: Wenn sich die Argentinier im kommenden Jahr nicht deutlich steigern, braucht die DFB-Auswahl wirklich keine Angst vor ihnen zu haben.

die U18 von Sajonia

die U18 von Sajonia

Ich habe inzwischen angefangen in einem Fussballverein, im Sportclub Club Deportivo de Puerto Sajonia oder einfach nur kurz Sajonia, zu spielen. Sajonia ist das spanische Wort fuer Sachsen, denn der Club ist wie so vieles andere hier auch von europaeischen Einwanderern gegruendet worden. Dort spiele ich Futsal. Das ist Fussball auf Kleinfeld mit 4 Feldspielern und Torwart. Der Platz ist flach, aehnlich beschaffen wie ein Hallenboden. Ich hab die letzte Woche mit der U 18 mittrainiert, da das Training meiner Altersklasse, der U 21, ausgefallen ist. Leider gibt es noch buerokratische Probleme, mir einen Spielerpass auszustellen, weil ich nur fuer ein Jahr mitspielen werden, sodass ich am letzten Wochenende nur zusschauen konnte.
Da fliegt man um die halbe Erde, um dann auf genauso kleinkarierte Buerokratievorschriften zu treffen wie in Deutschland. Von meinen Mitspieler habe ich jedenfalls die Spitznamen „Klinsmann“ bekommen. Warum gerade „Klinsmann“, weiss ich nicht, aber falls mal eine Werbetonne am Spielfeldrand steht, werde ich meinem Spitznamen alle Ehre machen.( http://www.youtube.com/watch?v=w4lfra-T31w Fuer alle, die die Anspielung nicht verstehen).

Ihr seht also es geht mir gut.

saludos

eurer
Nicolas bzw. „Klinsmann“

p.s. Alle die, die sich auf den Artikel ueber die Politik und politische Geschichte Paraguays gefreut haben, muss ich leider auf naechste Mal vertroessten. Zudem ist mir zu Ohren gekommen, dass ich neue Leser gewonnen habe, die gerne informiert werden wuerden, wenn ich einen neuen Artikel veroeffentliche. Wer sich angesprochen fuehlt, einfach eine kurze Email an nicsoemer89@hotmail.com schreiben.

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