La Vida paraguaya

Seit zwei Wochen wohne ich nun in Asunción und das Leben hier ist sehr aufregend und abenteuerlich. Jeden Tag erlebe ich hier etwas Neues. Im Vergleich dazu war die Schule nach 14 Jahre doch ziemlich zur Gewohnheit geworden.

Im Moment gehe ich vormittags arbeiten und nachmittags habe ich drei Stunden Sprachkurs. Der bringt aber nicht viel, da er Beginnerniveau ist und ich schon drei Jahre Spanischunterricht in der Schule hatte. Ich unterhalte mich viel mit meinen Kollegen bei der Arbeit. Dadurch wird mein Spanisch besser.
Die Arbeit gefaellt mir soweit gut. Ich arbeite fuer Tierraviva (http://www.tierraviva.org.py/www/ webside ist leider nur in spanisch),  eine NGO, die sich fuer die Landrechte der indigenen Bevoelkerung einsetzt, die im Chaco leben. Den Indegenas ist durch das Ley 904/81 aus dem Jahr 1981 in der Verfassung zugesichert, dass der Staat ihnen Land geben muss, auf dem sie in ihrer traditionellen Weise leben koennen. Das Land zum Leben muesste der Staat von Grossgrundbesitzern abkaufen. Grossgrundbesitz ist in Paraguay ueblich, die Grossgrundbesitzer sind mächtig und haben Freunde in der Regierung. Deshalb hat die Regierung auch noch nichts unternommen, obwohl der Stamm Yakye Axa, um den sich Tierraviva kuemmert, immer noch zwischen einer Schnellstrasse und einer riesigen Farm leben muss.
Im Jahr 2005 entschied der Interamerikanische Gerichtshof fuer Menschenrechte, dass der Staat Paraguay vier Jahre Zeit hat, den Yakye Axa Land zum Leben zu geben. Die Frist ist nun verstrichen und es hat sich nichts getan. Deshalb werden die Yakye Axa und andere Staemme am 1. September die Strasse, neben der sie wohnen, blockieren,  um so einer breiteren Oeffentlichkeit zu zeigen, dass der Staat sich nicht an das Gesetz haelt.
Ich werde mit vielen meiner Kollegen vor Ort sein.

Tierraviva finanziert sich durch Spenden aus Europa, unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Norwegen .
Die Arbeitsatmosphaere ist sehr locker, das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten Mitarbeiter nebenbei noch an der Uni studieren. So ist es z.B. vollkommen normal, dass man waehrend der Arbeit private Emails schreibt, bei MSN Messenger chattet oder schaut was es auf Facebook neues gibt. Auch von der Kleidung her ist es sehr locker, mein Chef hat sogar gesagt, dass im Sommer alle in kurzer Hose und T-Shirt kommen.

 

Letzte Woche habe ich erfahren, dass Tierraviva jeden Freitag eine dreistuendige Radioshow macht, in der ueber die Situation der Indegenos gesprochen wird. Mein Chef hat mich auch schon gefragt, wann wir unsere erste Show zusammen machen. Ich habe geantwortet, sobald ich fliessend Spanisch spreche. Mein (noch) schlechtes Spanisch ist auch der Grund dafuer, warum ich noch keine konkreten Aufgaben bekommen habe. In den ersten Tagen sollte ich Artikel ueber die Guarani (ueberbegriff fuer alle Indigenenstemme) aus der Zeitung ausschneiden und abheften. Zuerst war ich etwas enttaeuscht. Ich dachte mir, wozu habe ich eigentlich Abitur gemacht, um hier Artikel auszuschneiden. Dann ist mir aber klar geworden, dass das leider im Moment der einzige Weg ist,  mich nuetzlich zu machen. Ausserdem durfte ich dabei Musik hoeren, deshalb war es nicht so schlimm. In der restlichen Arbeitszeit habe ich mich hauptsaechlich ueber die Guarani informiert, dazu Buecher auf Englisch und z.T. auch auf Spanisch gelesen.

Feste Arbeitszeiten gibt es hier nicht. Vor allem Morgens kann jeder fuer sich entscheiden, wann er beginnen moechte. Allgemein gibt hier bei fast allen Terminen, selbst beim Schulunterricht eine gewisse Toleranzzeit innerhalb der die Meisten eintreffen. Nur wenn man sich zum Fussballspielen verabredet, sind alle puenktlich.

Fussball ist hier ueberhaupt fuer viele so etwas wie eine Ersatzreligion. Mein Gastbruder z.B. ist Fan von Cerro Porteño und hat seit Jahren kein Spiel im Stadion verpasst. Ausserdem spielen hier fast alle Leute in ihre Freizeit Fussball, ich werde im Buero oft zum abendlichen Fussballspielen eingeladen. Auffaellig ist, dass die meisten hier zwar ein sehr gutes Ballgefuehl haben, aber nicht so gut im Team zusammen spielen koennen wie in Deutschland.

In meinem letzten Blogeintrag hatte ich schon die verrueckte Art und Weise erwaehnt ,wie die Leute hier Autofahren. Das Busfahren war anfangs auch ein kleines Abenteuer und gewoehnungsbeduertig. Feste Haltestellen und Fahrplanzeiten gibt es hier naemlich nicht. Deshalb sind die Busse auch mitverantwortlich dafuer, dass alle zu spaet kommen oder koennen zu mindest als Ausrede benutzt werden. Wenn man mit dem Bus fahren will, stellt man sich einfach an eine Strassenkreuzung, wenn ein Bus vorbeifaehrt, streckt man den Arm aus und er haelt an. Eine Fahrt kostet hier immer 2100 Guarani(ca.25 cent) egal ob man nur ein paar Blocks oder mehrere Kilometer mitfaehrt. Monatskarten gibt es auch nicht. Der grosse Unterschied zu Busfahren in Deutschland ist aber, dass der Busfahrer sofort losfaehrt und waehrend er beschleunigt,  das Wechselgeld rausgibt. Die Busse fahren hier genauso risikofreudig wie die restlichen Verkehrsteilnehmer, sind sehr wackelig und zum Teil etwas versifft – naja der RMV ist ja auch nicht perfekt. Wenn man aussteigen moechte, zieht man an einer Schnur an der Busdecke, dann faehrt der Bus an der naechsten Kreuzung langsamer, so das man rausspringen kann. Bahnen gibt es hier keine. Paraguay hat insgesammt auch nur 36 km Schienen.

Das wars bis jetzt.  Am Montag fahren wir fuer drei Tage ins Chaco. Danach gehts am Donnerstag direkt weiter mit Ahmed nach Ciudad del Este um den Vater der Kinder zu besuchen.

 

Hasta Luego

Nicolas

p.s. Mit den Fotos habe ich immer noch Probleme. Die kommen dann mit dem naechsten Artikel.

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6 Antworten to “La Vida paraguaya”

  1. Dorle Schmidt Says:

    Hi Nick,
    das klingt ja ganz spannend und so irgendwie typisch. Mein Tipp, wenn Du schnell vom Ausschneiden wegkommen willst: organisiere Dir einen besseren, anspruchsvolleren Sprachkurs, indem Du einfach nette Kollegen, Gastfamilien, Nachbarn etc. fragst. Es gibt bestimmt jemanden, der Dir schneller was beibringen kann, damit die Radioshow nicht so lange warten muss. 🙂

    Viel Freude weiterhin,
    Dorle Schmidt

  2. Lars Says:

    Moin Nic,

    hört sich ja interessant an was du in Paraguay so treibst. Bin sehr auf den nächsten Post gespannt, wenn die Fotos dabei sind.

    Viele Grüße aus Cali, Kolumbien =)

  3. Reiner Hondke Says:

    Hallo Nicolas,

    ich hoffe, es stört dich nicht, wenn ich deine Nachrichten aus Paraguay mit verfolge. Wenn ja, gib bitte eine kurze Nachricht. Dann höre ich damit auf.

    Weißt Du überhaupt noch, wer ich bin? Wir haben uns über Deine Mutter kennengelernt und Du warst sogar ein oder mehrmals bei uns in Fallersleben. Erinnerst Du Dich auch noch an meine Frau Tina bzw. an Tim, der mittlerweile auch schon 14 Jahre alt ist? Genau, das sind wir!

    Ich weiß zwar nicht genau, was du da eigentlich in Paraguay machst, also, ob deine Arbeit bei Tierraviva im Rahmen eines Freiwilligen Internationalen Jahres o.ä. erfolgt. Aber bereits jetzt: Kotau! Du hast dir meinen/unseren Respekt wirklich verdient!

    Bitte berichte weiter!“ Wir sind neugierig auf deine Radioshow!

    Was gibt es hier zu bereichten? Nicht viel: Wir bauen weiterhin viele Autos (sehr gut), die Autostadt hat wieder ein tolles Sommerprogramm geboten (auch sehr gut), wir haben einen netten Spätsommer (gut bis sehr gut), der Vfl Wolfsburg ist unter dem neuen Trainer Armin Veh noch nicht so recht in Tritt gekommen (kein Kommentar) und mir schmerzen meine Nieren (schlecht, sehr schlecht). Habe wahrscheinlich beim Umzugskistentragen (für meine Eltern) letztes Wochenende etwas Zug abbekommen.

    Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse.

    Muss Schluss machen und meinen letzten Golf für heute zusammenbauen…

    Grüße aus der norddeutschen Tiefebene

    Reiner

    P.S.: Muss ich mich eigentlich – so wie damals bei Katharina, aber die hat ja zum Schluss überhaupt keine Einträge mehr in ihren Blog geschrieben – hier irgendwo anmelden, um Deine neuesten Nachrichten zu erhalten? Ich kenn mich doch mit sowas nicht aus…

  4. Ingrid Kurz-Scherf Says:

    Lieber Nicolas,
    Deine wunderbare Mutter hat mir die Verbindung zu Deinem bloq (oder wie das heißt) gemailt. Ich bin ein bißchen neidisch, was die jungen Menschen heute alles machen, aber ich finde Dich auch sehr mutig. Es liest sich so, als ob die Konfrontation mit einer ganz anderen Lebenswelt Dich gar nicht erschüttert und als ob Du da schon fast drin wärst. Du mußt unbedingt mal was über die politischen Verhältnisse in Paraguay schreiben und am besten schwänzt Du den Sprachkurs und redest stattdessen mit den Leuten.
    Ich wünsche Dir eine richtig gute Zeit
    Ingrid aus Michelbach

  5. d. r. buzarquis Says:

    mba´eichapa nic rohaihueterei ndeve ko paraguaype… jaja felicidades por tu blog!!
    aguije…
    rohaihu paraguay..

  6. tokio hotel Says:

    hola nic felicidades por el blog… me parece super bien que encuentres interesante la idea de contar todo lo que estas viviendo aqui en paraguay

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