Wie geht es weiter mit den Rechten der Indigenas

24. November 2009

Dass ich seit laengerer Zeit nichts mehr von mir habe hoeren lassen, liegt daran, dass es im Buero seit Wochen sehr viel zu tun gibt.

Don Tomas Galeano im Rollstuhl

Ein Monat ist vergangen, seitdem der Senat den Antrag, den Yakye Axa Indigenas ihr Land zurueck zu geben, abgelehnt hat. Wir sind danach ins Chaco gefahren und haben der Yakye Axa Gemeinde ueber die Entscheidung des Senats berichtet, sie waren sehr traurig darüber. Am Meisten aber hat sie aber geaergert, wie ihr ehemaliger Lider Tomas Galeano von Senatorin de Acha dargestellt wurde. Denn Don Tomas Galeano, der großen Respekt genoss, reiste als Vertreter seines Stammes mit Tierraviva zum  Interamerikanischen Gerichtshof fuer Menschenrechte nach Costa Rica und gewann   den Prozess fuer die Rueckgabe des Lands seines Stammes. Selbst im hohen Alter wollte er noch an Demonstrationen teilnehmen und so schob man ihn im Rollstuhl sitzend an der Spitze des Demonstrationszuges her.
Deshalb haben die Yakye Axa beschlossen, dass sie vor allem sein Ansehen in der Oeffentlichkeit wiederherstellen wollen. Des Weiteren haben sie das Abstimmungsergebnis des Senats – wenn auch frustriert – akzeptiert und sind nun bereit auf ein anderes Landstueck in der Naehe zu ziehen.

Weiter oestlich an der Strasse zwischen Pozo Colorado und Conception ist die Gemeinde der Sawhoyamaxa Indigenas, die

Lage der Landstuecke der Yakye Axa u Sawhoyamaxa

auch in rechtlichen Angelegenheiten von Tierraviva vertreten wird. Sie bekam 2006 vom Menschrechtsgerichtshof das Recht auf ihr Land zugesprochen. Auch sie muessen immer noch am Straßenrand leben, denn der paraguayische Staat hat bis jetzt noch keine Anstrengungen unternommen, das Land, das heute im Besitzt des deutschen Großgrundbesitzers Heribert Roedel ist, fuer sie zu zurueck zu gewinnen und den Eigentümer zu enteignen. Und das obwohl der Fall, wie auch der der Yakye Axa, unter Beobachtung von Amnesty International steht.

Die Sawhoyamaxa befuerchteten, dass auch ihrem Antrag auf Rueckgabe ihres  Landes im Senat die Ablehnung drohte. Deshalb haben sie beschlossen, vom Staat Paraguay  zu fordern, fuer sie und die Yakya Axa ein Landstueck in der Umgebung zu kaufen. Damit sie nach jahrelangem Leben (falls man das so nennen kann) an der Strassen endlich wieder auf ihre Weise leben koennen. Deshalb treffen sich die Lider beider Gruppen diese Woche mit Vertretern des Staates.
Ich moechte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass die Urteile des Menschenrechtsgerichtshofs verbindlich vorsehen, dass der Staat sowohl den Sawhoyamaxa als auch den Yakye Axa jeweils das Land ihrer Vorfahren zurück kauft. Beide Landstuecke hatten eine Groesse von ca. 15 Hektar. Für uns Deutsche ist es unvorstellbar, dass eine Regierung ein Urteil eines obersten Gerichts nicht umsetzt. Erst wenn man so etwas wie in Paraguay erlebt, weiß man den Rechtsstaat zu schätzen.
Dabei geht es in der Auseinandersetzung um mehr als ein Stueck Land: Fuer beide Gemeinden ist es wichtig, dass sie innerhalb des Großraums leben koennen, in dem ihre Vorfahren frueher als Nomaden umherzogen. Denn Guarani sind eng mit dem Land ihrer Väter verbunden.

Im Büro wird zurzeit heftig diskutiert, was wir von Tierraviva machen, wenn der Staat die Forderung annimmt und vor allem, was wir tun, wenn er sie nicht annimmt.

Ich selbst übersetze  die Website von Tierraviva ins Englische. Die Website soll spaetesten zu Beginn des kommenden Jahres ein neues Layout haben und neben Spanisch auch in Englisch und Franzoesisch zur Verfuegung stehen. Das Uebersetzen ist auch eine gute Methode meinen spanischen Wortschatz zu vergroessern.

Hace mucho Calor

Die Arbeit macht viel Freude, ist im Moment aber ziemlich anstrengend, da es hier seit zwei Wochen 38°C im Schatten ist und wir im Kommunikationsbuero nur schlechte Ventilatoren haben. Zum Glueck bin ich einer der wenigen AFSler, der den Luxus genießt, ein Schlafzimmer mit Klimaanlage zu haben. Trotzdem merke ich, wie die Hitze mir tagtaeglich zu schaffen macht, dass ich mich haeufiger Ausruhen muss und vor allem dass ich einer alten Lebensweisheit meiner Mutter folgen soll: “Und viel trinken!“ Vor allem beim Fußballspielen komme ich schneller an meine Leistungsgrenze. Selbst die Paraguayer haben inzwischen eingesehen, dass es ziemlich heiß ist, was bei 30°C noch nicht der Fall war. Fuer eine Siesta waehrend der Mittagshitze die Arbeit zu unterbrechen, wie es z.B. in Spanien ueblich ist, ist hier nicht sehr weit verbreitet. Das liegt vor allem daran, dass es hier selbst im Sommer nur bis halb Neun hell ist und man nach einer Siesta gar nichts mehr vom Tag haette. Dafuer wird das Wochenende dann von den meisten Leute dazu genutzt,sich auszuruhen und einen Tag Zuhause mit der Familie zu verbringen. Deshalb wirkt die Innenstadt von Asuncion sonntags wie ausgestorben.

Die Hitze ist auch der Grund, dass es in den letzten drei Wochen abends zweimal Stromausfall gab. Denn abends haben alle Licht und Klimaanlage bzw. Ventilatoren an und dazu meist noch den Fernsehen laufen. Dadurch wird das Stromnetz ueberlastet. Das wird diesen Sommer auch noch haeufiger vorkommen und ist hier voellig normal. Im Gegensatz zu dem grossen Stromausfall in Brasilien, an dem ein Defekt eines Kraftwerks Schuld war, dauerten die Ausfaelle hier auch nicht laenger als 30 Minuten. Die Paraguayer nehmen das ganz locker: Man nimmt sich einen Stuhl, eine Kerze und ein Getraenk und setzt sich in den Garten bzw. vor das Haus und unterhaelt sich, bis das Licht zurueckkommt.

Als die Hitze anfing, kamen leider auch massig Kakerlaken aus der Erde. Anfangs hab ich mich sehr geekelt, da man so etwas aus Deutschland nicht gewohnt ist. Vor allem aber weil die Kriechtiere hier ca. 6cm groß sind. Mit der Zeit behandele ich sie aber nach der Devise: drauf treten und tot sind sie!

Kulturelle Unterschiede: die Kommunikation

Eine meiner interessantesten Erkenntnis der letzten Wochen ist,  wie unterschiedlich hier doch im Gegensatz zu Deutschland kommuniziert wird. Darauf hatte man uns beim Vorbereitungseminar schon vorbereitet- theoretisch. Aber es in der Praxis  zu erleben ist dann doch noch mal eine komplett andere Sache
In Deutschland ist man doch meist ehrlich zueinander, uebt Kritik und scheut auch eine Debatte bzw. einen  Streit nicht. Hier hingegen ist man, wenn man sich begegnet, immer freundlich, auch wenn man sich nicht mag. Ist die andere Person aber nicht dabei, wird, auch vor Gruppen, ueber sie „gelaestert“. Dieses Verhalten, das man in Deutschland als hinterfotzig beschreiben wuerde, ist in Suedamerika vollkommen normal. Die andere Person findet aber meist schnell heraus, dass ueber sie gesprochen wurde. Denn hier wird jede Kleinigkeit rumerzaehlt, hier herrscht eine wahre “Plauderkultur“. Dem entsprechend gibt es auch keine Geheimnisse. So hat meine Gastmutter selbstverständlich  der gesamten Familie erzaehlt, dass ich mit Durchfall von meiner letzten Dienstreise aus dem Chaco wiedergekommen bin. Für mich war es ungewoehnlich, aber für meine Familie völlig normal, dass mich einer meiner Onkel an ihrem Geburtstag vor den versammelten Partygaesten fragte, ob ich den Durchfall  nun auskuriert haette.

Fùtbol

Wenig Freude hat mir der Fußball diesen Monat gebracht. Cerro Porteño, der Lieblingsverein meiner Familie, ist im Halbfinale der Copa Sudamerican (so etwas wie die Europa League) ausgeschieden. Wenn man allerdings ehrlich ist,  koennen wir froh sein, dass sie ueberhaupt so weit gekommen sind. Trotzdem hat mein Gastbruder nach Abpfiff fast angefangen zu weinen.

friedliche Cerrofans: 2 Cousins, ich u Gastbruder

Im Stadion konnte ich beobachten, wie sich waehrend des Spiels der Missmut breit machte und die Cerrofans im Stehblock sich  zuerst gegenseitig mit Plastikbecher bewarfen und dann sogar eine Schlaegerei unter ihnen ausbrach.
Als ich hier in Paraguay ankam war ich zuerst etwas enttaeuscht, dass es hier keinen Alkohol im Stadion gibt. Inzwischen bin ich aber meiner Sicherheit wegen ganz dankbar dafuer und ich kann verstehen, wieso man im Stehblock keinen Guertel tragen darf.
Am Sonntag kam nach dem Superclassico(Derby) in der Liga zwischen Cerro und Olympia zu Ausschreitung. Mein Gastbruder hatte beschlossen, dass wir das Spiel im Fernsehen anschauen, den die Polizei hatte schon vor Ueberschreitungen gewarnt. Das war eine kluge Entscheidung, denn es gab nach dem Spiel bei Schlaegereien viele Verletzte. Vorallem aber hat mich die Nachricht schockiert, dass ein Cerrofan von Olympiaanhaengern erschossen wurde. Er wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen und erlag im Krankenhaus den Folgen. Bei den beteiligten Personen wurde das Fan sein wohl eher fanatisch ausgelebt.

Das war’s soweit. Ich habe beschlossen ab jetzt kuerze Eintraege zu schreiben, dafuer aber haeufiger, dadurch kann ich aktueller sein, was vor allem bei der jetzigen Situation im Buero interessanter ist.

Saludos

Nicolas

Fern von jeglicher Rechtsstaatlichkeit

21. Oktober 2009

Aktuelles:

Ich sass am Freitag Morgen gerade in meinem Buero und schrieb meinen Blogeintrag. Als ich von meinen Kollegen erfuhr, was sich am Tag zuvor im Senat abgespielt hatte, konnte ich zuerst meine Ohren nicht trauen. Sie hatten dort von der Zuschauertribuene verfolgt, mit welcher Wilkuer der Senat seine Entscheidungen trifft.

Eigentlich sollte dieser Donnerstag, der 15.Okt.2009 ein grossartiger Tag fuer die Indigenas der Yakye Axa Gemeinde werden. Denn der Senat entschied ueber einen Gesetzesentwurf, der ihnen ihr Land zurueckgeben sollte. Der Antrag enthielt folgendes: Der Staat kauft das Land, das urspruenglich der Yakye Axa gehoerte, vom heutigen Besitzer, der Familie Osvaldo Dominguez Dibb, sodass die Yakye Axa wieder auf ihrem Land leben koennen, wie es die Verfassung von Paraguay und das Urteil des Interamerikanischen Gerichtshof fuer Menschenrechte vorsehen. Das Gesetz haette ein Vorbild fuer andere indigene Gemeinden werden koennen, die ihr Land noch nicht bekommen haben. (Anmerkung: die rechtliche Situation der Indigenas und speziell der  Yakye Axa ist ausfuehrlich in meinem Blog-Artikel La Vida Paraguaya beschrieben).

Bevor im Senat ueber einen Antrag abgestimmt wird, wird das Fuer und Wider eroertert. Dazu gibt jede Seite ein Statement zu dem Antrag ab. Die Senatorin Ana Maria de Acha erklaerte eine halbe Stunde lang, warum der Senat gegen den Antrag stimmen sollte. Darin behauptete sie faelscherweise, dass es den Staat zehn Millionen US$ kosten würde, das Land zu kaufen. Dabei gehen Expertenschaetzungen von einer Summe zwischen ein und zwei, maximal 3 Millionen US$ aus. Ausserdem warf sie Tierraviva vor, meine Kollegen haetten einen Teil der Yakye Axa, der bereit war, das urspruengliche Land zu verlassen und auf ein gleichgrosses Gebiet in Loma Verde zu ziehen, dazu gezwungen, doch auf dem urspruenglichen Land zu bestehen. Auch dies entspricht nicht der Wahrheit: Der Gedanke an einen Umzug wurde zwar in Sitzungen der Yakye Axa diskutiert, aber auch schnell wieder verworfen. Hierzu muss erwaehnt werden, dass das Urteil des Gerichtshofs vorsieht, dass, wenn es dem Staat Paraguay nicht moeglich ist, das urspruengliche Land zu kaufen, er den Indigenas ein gleichgrosses Gebiet an anderer Stelle besorgen muss. Es wirkte dann auch sehr herablassend, als sie die provokate Frage stellte, was die Yakye Axa denn mit dem Land machen wollten, schliesslich seinen sie arm. Und ihre finanzielle Situation wuerde sich mit dem Land ja nicht andern.

keampfte sein Leben lang fuer das Land der Yakye Axa: Lider Tomas Goleano

keampfte sein Leben lang fuer das Land der Yakye Axa: Lider Tomas Galeano

Die groesste Dreistigkeit in ihrem Statement war aber, als sie behauptete, dass der inzwischen verstorbenen Lider (Hauptling) Tomas Galeano fuer den Umzug nach Loma Verde gewesen sei. Denn der bekannte und einflussreiche Lider Goleano hatte sich sein Leben lang dafuer eingesetzt, dass die Yakye Axa ihr urspruengliches Land zurueckbekommen. Waehrend der Senatssitzung sass der Besitzer des Landes, der Ex-Senator Julio Osvaldo Dominguez, zwischen den anderen Senatoren und nicht auf der Besuchertribuene, wo er eigentlich wie jeder andere Buerger auch haette sitzen muessen.

Doch der eigentlich Eklat kam erst noch: Als nun Senator Sixto Pereira sein Statement fuer den Antrag abgeben wollte, beschloss der Senatsvorsitzende, nach Vorschlag von Senator Juan Carlos Galaverna, ein Vorzeigekonservativer der Partido Colorado, der ideologisch immer auf der Seite der Landbesitzer stand, dass sich nun alle ein Bild gemacht haetten und abgestimmt werden solle. Natuerlich stimmte der Senat daraufhin gegen den Antrag.

Zwei Dinge sind fuer mich unbegreiflich, zum einen mit welcher Dreistigkeit Senatorin de Ache gelogen hat und auf der anderen Seite die nicht vorhandene Verfahrensgerech-tigkeit bei diesem Gesetzentwurf.

In der Presse wurde der Vorfall kaum aufgegriffen. Zwar kritisierte in einem Interview mit BBC World Amnesty International den Senat: „Der paraguayische Senat hat heute eine klare Botschaft gesendet, er interessiert sich nicht fuer die indigenen Gemeinden“.

Auch Tierraviva uebte Kritik am Freitag in unserem Radioprogramm. Allerdings hat die paraguayische Presse den Vorfall mehr oder weniger unter den Tisch gekehrt. Eine  grosse Tageszeitung La Nacion gehoert zu Teilen der Familie Osvaldo Dominguez Dibb (also den heutigen Landbesitzer), Auch die anderen groesseren Zeitungen sind eher konservativ. In der groessten Tageszeitung ABC wurde in dem Artikel ueber die Abstimmung im Senat gar nicht erwaehnt, dass die Proseite nicht zu Wort kam. Tierraviva und Amnesty International werden dagegen wie linke Quaelgeister dargestellt, die ein faire Abstimmung des Senats nicht akzeptieren.
Unabhaengige, oeffentliche Medien, die investigativen Journalismus betreiben koennten, gibt es hier leider nicht.

Wie es jetzt weiter gehen soll ist noch ungewiss. Am Freitag gab es in Tierraviva viele haengende Koepfe zu sehen. Diese Woche aber wird besprochen, was nun geschehen soll.
Es besteht zwar die Moeglichkeit, wegen Verfahrensverletzungen vor Gericht zu gehen. Aber ein Gerichtsverfahren wuerde Jahre dauern und der Ausgang ist ungewiss.
Ich werde eine Petition an den Vorsitzenden des Senats vorschlagen. Im Moment scheint es am Wahrscheinlichsten, dass die Yakye Axa ihr urspruengliches Land besetzen werden. Morgen fahren wir ins Chaco um mit den Yakye Axa zu reden, denn es sind immer noch sie und nicht wir, die die Entscheidungen treffen, das moechte ich an dieser Stelle nochmal deutlich machen.

Ich lasse euch auf jeden Fall wissen, wenn es Neuigkeiten gibt.

Nicolas

p.s. Ich habe am Wochenende einigen meiner hiesigen Freunde davon erzaehlt. Aber keiner war geschockt, alle hielten es für normal, dass Politiker hier nur an sich denken wuerden.

mba’éichapa ?

21. Oktober 2009

mba’éichapa ? Das ist Guarani und bedeutet so viel wie: Hallo, wie geht’s dir? Mir geht es hier gut. Es ist inzwischen Oktober und es wird so langsam Fruehling, d.h. richtig heiss. Als Deutscher ist man ja gewohnt, dass die Tage zu dieser Jahreszeit kuerzer und kaelter werden. Hier werden die Tage etwas laenger, wegen der Zeitumstellung ist es jetzt sogar bis halb acht hell. Aber vor allem ist es ziemlich sommerlich geworden. Es gab schon mehrere  Tage ueber 30ªC und es regnet selten.

Die Paraguayer, die von Natur aus schon Frohnaturen sind, sind jetzt noch besser gelaunt, offener und kontaktfreudiger. Ich bin jetzt schon seit 2 1/2 Monaten hier und seit meinem letzten Blogeintrag habe ich einiges erlebt und einiges hat sich veraendert:
Ich brauche z.B. keine Stadtkarte mehr um mich in Asuncion zu recht zu finden. In meinem ersten  Monat ging ich nicht ohne diese aus dem Haus. Ich hab mich auch daran gewoehnt, dass es morgens keine feste Uhrzeit fuer den Arbeitsbeginn gibt, das ist eigentlich ganz angenehm. Andere Dinge sind fuer mich immer noch ungewohnt, z.B. das niemand aus meiner Familie anklopft, wenn er oder sie mein Zimmer betritt oder das ich von meiner Siesta geweckt werde, nur weil es Kaffee und Kuchen gibt.


Mi Castellano esta mejorando

Mein Spanisch hat sich in den letzten Wochen deutlich verbessert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass seitdem mein Gastbruder Amhed, mit dem ich viel Zeit verbrachte, weil er fliessend Englisch sprach in Deutschland ist.

Ricardo erklaert den Viertklaessler die Situation im Chaco

Ricardo erklaert den Viertklaessler die Situation im Chaco

Seitdem bin ich sozusagen gezwungen, mich mit allen Leute in Spanisch zu unterhalten. Ausserdem mache ich im Moment einen Sprachkurs, um meinen Wortschatz zu erweitern. Dieser Kurs ist im Gegensatz zu dem von AFS ausgewaehlten Anfaengerkursus auch foerdernd. Zudem habe ich angefangen, taeglich Zeitung zu lesen, obwohl ich noch viel Woerter nachschlagen muss.

Da sich mein Spanisch verbessert hat, habe ich auch im Buero neue Aufgaben bekommen. Bei unserer Radioshow bin ich nun der „Telefonist“; ich nehme die eingehenden Anrufe an und gebe sie im richtigen Moment an den Moderator weiter. Eine meiner naechsten Aufgaben wird sein, die Internetseite von Tierraviva ins Englische zu uebersetzen. Letzten Mittwoch war ich mit Ricardo, der fuer die Abteilung Komunikation zustaendig ist, bei einer Schule, Colegio Lumen, und wir haben zusammen vor Viertklaesslern einen Vortrag ueber das Chaco, die Situation der Indigenas und die Aufgaben von Tierraviva gehalten. Das Colegio Lumen ist eine Privatschule und ich fand es sehr interessant zu beobachten, dass kurz vor Schulschluss eine Kolonne von Gucchi-Mamas, die ihre Kinder abholen wollten, in teuren SUV die Strasse vorm Colegio blockierte. Dieses Bild ist mir vom Gaertnerweg aus meinen Anna-Schmidt-Schultagen noch gut in Erinnerung. Das scheint ein internationales Phenomaen zu sein.


Reunion de la CLIBCH

Interessant war auch mein letzter Besuch im Chaco vor 3 Wochen.
Tierraviva hatte mitgeholfen das Treffen der Coordinadora de Líderes Indígenas del Bajo Chaco (Clibch), auf deutsch: Haeuptlinge der Indigenas des Chacos, zu organisieren und unterstuetzte die viertaegige Veranstalltung u.a. mit Nahrungspenden. Meine Kollegen Freddy, Rodrigo, Ireneo und ich waren vor Ort.

reunion de la CLIBCH

reunion de la CLIBCH

Das wichtigste Thema auf der Veranstalltung war natuerlich die Auswertung der  Demonstration am 1. September. Die Lideres (Haeuptlinge) kamen zu einem aehnlichen Ergebnis, wie wir von Tierraviva: Es war zwar ein Erfolg, dass sich soviel Indigenas aus verschiedenen Gemeinden an der Demonstration beteiligt haben, aber insgesamt hatte die Demonstration doch zu wenig mediale Praesenz und hat deshalb zu wenig Eindruck in der Oeffentlichkeit hinterlassen. Im Moment wird ueberlegt, ob es im Dezember noch eine Demonstration geben soll und wie man mehr mediale Aufmerksamkeit auf diese lenken kann.
Ein weiteres Thema war Bildung, denn viele indigene Kinder haben nicht die Moeglichkeit, in die Schule zu gehen. Hinter dem Buero von Tierraviva haben wir eine kleine Wohngemeinde fuer indigene Schueler, die in Asuncion ihr Abitur machen. Leider gibt es sonst kaum solche Wohnmoeglichkeiten und im Chaco gibt es kaum Schulen, die die Indigenas besuchen koennen.

Lider Celso schreibt die Ergebnisse der CLIBCH auf

Lider Gerado schreibt die Ergebnisse der CLIBCH auf

Auch Gesundheit stand auf dem Tagesplan. Denn kranke Indigenas werden oft von Aerzten abgewiesen, weil diese befuerchten, dass die Indigenas, die Rechnungen nicht bezahlen koennen.
Leider wurde waehrend der gesamten Veranstaltung nur Guarani(Sprache der Indigenas) geredet, deshalb mussten mir meine Kollegen staendig das Gesagte in Spanisch oder Englisch uebersetzen. Was ich bemerktswert fand, war, dass waehrend der gesamten Veranstaltung, auch abends nach den Sitzungen, niemand Alkohol trank oder rauchte. Es gibt naemlich, wie in anderen Laendern auch, das Klischee vom faulen Indigenen, der sich den ganzen Tag nur den Kopf zu droehnt. Da an einem Tag ein Lokalpolitiker zu Besuch war, wollte man diesem Vorurteil keine Nahrung geben.

Geografie

An dieser Stelle moechte ich, wie im letzten Artikel angekuendigt, einen kurzen Ueberblieck auf Paraguays Landschaftsbild geben. Paraguay, ein 406.752 km² grosses Land, mit knapp sieben Millionen Einwohnern, wird durch den Fluss Rio Paraguay in zwei Teil aufgeteilt: Die occidentale Region: Das Chaco, ein flaches, duennbesiedeltes Gebiet mit Trockenwaeldern , das 60% der Landflaechen einnimmt: Hier wohnen hauptsaechlich Indigenas. Auch die indigenen Gemeinden, fuer die sich Tierraviva einsetzt, leben hier. Im Norden des Chacos gibt es auch einige deutsch-mennonitische Staedte. Die Mennoniten sind hier vor allem fuer ihren wirtschaftlichen Erfolg mit Milchprodukten bekannt.
mapa de paraguayAuf der anderen Seite: die orientale Region. In diesem sehr huegeligen Gebiet wohnen 97% der Bevoelkerung. Sie ist vorallem durch viele kleine Fluesse gepraegt, die in den Rio Paraguay muenden. Die Hauptstadt Asuncion liegt in der Mitte des Landes. Sie ist die modernste Stadt Paraguays und hat ca. eine halbe Million Einwohner; im Umfeld leben knapp eine weitere Million.

Quinceañera

traditionel: erster Tanz mit dem Vater, modern: funkenspruehender Showeffekt

traditionel: erster Tanz mit dem Vater, modern: funkenspruehender Showeffekt

Der 15. Geburtstag, quince cumpleaños, ist in Lateinamerica der wichtigste Tag im Leben eines Teenagers. Vorallem fuer Maedchen ist es sehr wichtiger Tag, da die Feier den Uebergang vom Kind zur Frau ehrt. In jedem Land sind die Braeuche und Ablaeufe der Feier allerdings ein wenig anders. Bis jetzt habe ich in jedem Haushalt, in dem ich zu Besuch war, das Fotoalbum des 15. Geburtsag im Wohnzimmer liegen sehen, denn man zeigt es Gaesten gerne.
Letzten Monat feierte meine Cousine Daniela ihren 15. Geburtstag und es war

sorgte die ganze Nacht fuer gute Stimmung: die Liveband

sorgte die ganze Nacht fuer gute Stimmung: die Liveband

ein beeindruckendes Fest: Die Feier fand im Clubhaus eines Sportclubs statt und es waren circa 200 Gaeste gekommen. Nachdem alle Gaeste eingetroffen waren, begann gegen halb elf der Abend offiziel mit dem ersten Tanz. Da tanzt die Quinceañera mit ihrem Vater. Danach tanzte jeder Mann und Junge kurz mit dem Geburtstagkind, die als einzige ein weisses Kleid traegt. Darauf folgte eine Fotoshow ueber Beamer. Dann gab es reichlich Essen vom Bueffet. Doch danach ging die Feier richtig los: Alle Gaeste versammelten sich draussen fuer ein Feuerwerk und kurz darauf fing eine Band an, drei Stunden lang zu spielen. Waehrend des gesammten Abends wurde von einem professionelen Team Fotos geschossen und ein Film gedreht.
An dieser Stelle moechte ich erwaehnen, dass die Eltern dieser Cuinceañera sehr wohlhabend sind. Aber es kommt haeufig vor, dass sich Eltern wegen einer Quinceañera verschulden. Ausserdem hat sich inzwischen eine Industrie entwickelt, die sich auf 15. Geburtstagsfeiern speziallisiert hat.
Die Feier ging wohl bis in die fruehen Morgenstunden. Ich fuehlte mich gegen drei Uhr schon sehr muede und waere gerne nach Hause gegangen. Aber mein Gasteltern tanzten vergnuegt bis vier Uhr morgens, erst dann verliessen wir die Feier. Auch das war eine neue Erfahrung fuer mich.

Fussball und „Klinsmann“

In den letzten Wochen hat sich hier im Fernsehen Unglaubliches abgespielt. Es gibt kaum paraguayisches Fernsehen, sondern hauptsaechlich Fernsehsender fuer das gesammte spanischsprachige Suedamerica. Diese werden in Argentinien produziert und das merkte man in den letzten Wochen doch ziemlich deutlich. Was war passiert? Im vorvorletzten Gruppenspiel fuer die Qualification zur WM 2010 hatte Paraguay mit 1:0 gegen Argentinien gewonnen. Argentinien stand danach nur noch auf einem Relegationsplatz. Das war fuer die Argentiniener eine Katastrophe. Das Ergebnis war um so schlimmer weil der argentinische Bundestrainer Diego Maradona ist. Maradona ist in Argentinien nicht nur ein beliebter Ex-Fussballer mit Kultstatus, dem man alles verzeiht, so wie in Deutschland dem „Kaiser“ Franz Beckenbauer. Maradona ist mehr als ein Volksheld, eher etwas Gottaehnliches. Fans haben sogar ihm zu Ehren eine eigene Religion gegruendet. Das ist keine Uebertreibung: in Buenos Aires gibt es die Iglesia Maradoniana. Die Religion hat sogar 40.000 Anhaenger, diese Bezeichnen ihn als D10s. (wortspiel Dios ist span. fuer Gott und Nr. 10 war seine Rueckennummer).
Ihr erinnert Euch, dass Paraguay gegen Argentinien gewonnen hatte und deren Teilnahme an der WM gefaehrdet war. Wie konnte es nun passieren, dass man unter D10s nicht schon qualifiziert war, wie z.B. der Erzrivale Brasilien? Eigentlich sieht man es in Argentinien auch als gottgewollte Ordung an, dass man sich nur mit Brasilien um den ersten Qualifikationsplatz streitet.
Die Medien berichteten jedenfalls schon Wochen vorher tagelang nur ueber die Vorbereitungen der Argentinier auf die letzten Qualifikationsspiele. Viele Fussballexperten kritisierten Maradona und einige forderten sogar seine Entlassung, – fuer andere war das schon wieder Blasphemie.
Letztendlich gewann Argentinien in einem schlechten Spiel gegen Uruguay mit 1:0 und qualifizierte sich direkt. Maradona, der oeffentliche Kritik nicht gewohnt ist, sagte danach in der Pressekonferenz: „An alle die an uns gezweifelt haben, die Frauen moegen das jetzt entschuldigen, ihr koennt mir mal einen blasen.“
Was man davon halten soll, kann jeder fuer sich entscheiden, die gute Nachricht fuer uns Deutsche ist jedenfalls: Wenn sich die Argentinier im kommenden Jahr nicht deutlich steigern, braucht die DFB-Auswahl wirklich keine Angst vor ihnen zu haben.

die U18 von Sajonia

die U18 von Sajonia

Ich habe inzwischen angefangen in einem Fussballverein, im Sportclub Club Deportivo de Puerto Sajonia oder einfach nur kurz Sajonia, zu spielen. Sajonia ist das spanische Wort fuer Sachsen, denn der Club ist wie so vieles andere hier auch von europaeischen Einwanderern gegruendet worden. Dort spiele ich Futsal. Das ist Fussball auf Kleinfeld mit 4 Feldspielern und Torwart. Der Platz ist flach, aehnlich beschaffen wie ein Hallenboden. Ich hab die letzte Woche mit der U 18 mittrainiert, da das Training meiner Altersklasse, der U 21, ausgefallen ist. Leider gibt es noch buerokratische Probleme, mir einen Spielerpass auszustellen, weil ich nur fuer ein Jahr mitspielen werden, sodass ich am letzten Wochenende nur zusschauen konnte.
Da fliegt man um die halbe Erde, um dann auf genauso kleinkarierte Buerokratievorschriften zu treffen wie in Deutschland. Von meinen Mitspieler habe ich jedenfalls die Spitznamen „Klinsmann“ bekommen. Warum gerade „Klinsmann“, weiss ich nicht, aber falls mal eine Werbetonne am Spielfeldrand steht, werde ich meinem Spitznamen alle Ehre machen.( http://www.youtube.com/watch?v=w4lfra-T31w Fuer alle, die die Anspielung nicht verstehen).

Ihr seht also es geht mir gut.

saludos

eurer
Nicolas bzw. „Klinsmann“

p.s. Alle die, die sich auf den Artikel ueber die Politik und politische Geschichte Paraguays gefreut haben, muss ich leider auf naechste Mal vertroessten. Zudem ist mir zu Ohren gekommen, dass ich neue Leser gewonnen habe, die gerne informiert werden wuerden, wenn ich einen neuen Artikel veroeffentliche. Wer sich angesprochen fuehlt, einfach eine kurze Email an nicsoemer89@hotmail.com schreiben.

Get Up, Stand Up!

18. September 2009

Ich wohne jetzt seit mehr als einem Monat  in Asuncion und auf die Frage, wie es mir geht , sage ich: Es geht mir sehr gut!
Ich habe mich hier gut eingelebt und komme mit den meisten Menschen aus meinem Umfeld gut zurecht. Ich spreche noch nicht fliessend und nur mit deutschem Akzent Spanisch, trotzdem gebe ich mir muehe zu verstehen,was gesagt wird. Das wirkt  sympatisch auf die meisten Leute, so dass diese dann bereit sind, mir Dinge auch mehrmals zu erklaeren. Eine Erfahrung, die ich schon waehrend meines Schuljahres in Kanada gemacht habe.
Seit meinem letzten Blogeintrag habe ich viel erlebt.

Viel Neues bei Tierraviva
Vorallem in meinem Job gab es einige aufregende Ereignisse. An erster Stelle steht natuerlich die Demonstration im Chaco der Yakye Axe und Sawhoyamaxa Indigenas am 1. September. In meinem letzten Blogeintrag hatte ich schon die rechtliche Situation geschildert, nun war es also an der Zeit, dass die Indigenas fuer ihre Rechte aufzustehen. Schon Mitte Juli hatte

direkt hinter den Huetten faengt das Grundstueck eines Grossgrundbesitzers an

dieses Dorf der Yakye Axa liegt zwischen der Strasse und einem Grundstueck

sich die Coordinadora de Líderes Indígenas del Bajo Chaco (Clibch) , ein Dachverband der Indigenen im Chaco, getroffen und beschlossen, etwas zu unternehmen um den Staat zum Handeln zu bringen. Denn im Mai waren die Frist von drei Jahren, die der Staat Zeit hatte um den Indigenas ihr Land wiederzugeben, abgelaufen. Vor allem vom neuen, im vergangenen Jahr gewählten ,Praesidenten Fernando Lugo, einem ehemaligen Bischof, der versprach die Verhaeltnisse zu veraendern, erhofften die Indigenen, dass sie nun ihr Land bekommen wuerden. Aber  Präsident Lugo hat noch nicht alle seine Wahlversprechen erfüllt. (Mehr zu Paraguays politischen Verhaeltnissen aber im nechsten Blogeintrag.)

Banner mit den Forderungen

Banner mit den Forderungen

Die Clibch entschied sich, am 1. September die Strassen im Chaco an mehreren Stellen zu blockieren, dadurch sollten moeglichst vielen Leute von demUnrecht erfahren und die Politiker zum Handeln gebracht werden. Tierraviva hat mitgeholfen diesen Protest zu koordinieren, unter anderem in dem sie die Staemme durch die Radioshow und vor Ort ueber den Ablauf informiert haben.
Wir von Tierraviva, vier Kollegen und ich, sind schon am 31.August morgens ins Chaco gefahren. Je weiter noerdlich wir kamen, um so schlechter wurde die Strasse, sodass die Autofahrt am Ende zu einem „Schlaglochslalom“ wurde. Nach vier Stunden Autofahrt haben wir die ersten Kommunen der Yakye Axa erreicht und ihnen Plakate, auf denen in Spanisch die Forderungen an die Regierung standen, gesehen. Die Doerfer zu besichtigen war sehr interessant, da ich keine Vorstellung hatte, wie die Indigenen heute leben:

typische Huette einer Indigenenfamilie

typische Huette einer Indigenenfamilie

Sie wohnen in kleinen Huetten meist aus Holz, einige auch mit Steinen gebaut, manche haben sogar Strom. Ausserdem hat jedes Dorf immer einen kleinen Fussballplatz . Die Indigenen tragen Kleidung wie wir, diese ist meistens alt und oft durch den Wind mit Staub bedeckt. Kommuniziert wird auch nicht mehr durch Rauchzeichen, jedes Dorf hat meistens ein oder zwei Handys.
In den Doerfern wurden wir freundlich empfangen und haben dort mit den Indigenas die letzten Details besprochen.
Das Dorf der Yakye Axa liegt auf einem 50 Meter breiten Streifen zwischen der Strasse und dem riesigen Grundstueck eines Grossgrundbesitzers. Der Staat Paraguay hat es bis jetzt versaeumt ,Teile dieses Grundstuecks fuer die Yakye Axa zu kaufen.
Am 1.September gegen 10 Uhr ging die Demonstration dann los. Die Indigenas sperrten an sechs verschiedenen Stellen Strassen ab, damit moeglichste viele Leute von dem Protest etwas mitbekamen. Wir von Tierraviva waren in Larencia dabei. Hier hatten sich die Indigenen auf die Strasse gestellt und an beiden Enden Plakate aufgestellt, sodass die wartenden Autofahrer ihre Forderungen lesen konnten, ausserdem hatten wir Flyer mitgebracht, die die Indigenen verteilten. Santi, einer meiner Kollegen, sprach staendig am Telefon mit verschiedenen Radiostationen und erklaerte ihnen, warum wir demonstrierten. Die Demonstation war in zwei Teile aufgeteilt: von 10 bis 12 und nach einer Mittagspause von 13 bis 15.

lauter Streit zwischen zwei veraergetern Autofahrern und meinem Kollegen Rodrigo (im gelbem Hemd)

lauter Streit zwischen zwei veraergetern Autofahrern und meinem Kollegen Rodrigo (im gelbem Hemd)

Waehrend der Pause wurde die Strasse freigegeben, damit die Autofahrer nicht zu lange warten mussten.Kurz vor der Pause hatte sich eine kleine Gruppe von veraergerten Autofahren gebildet, die uns lautstark vorwarf, Tierraviva und vorallem ich der „Blanquito“(Weisser) haetten die Indigenen fuers Demonstrieren bezahlt. Das ist natuerlich schwachsinnig.

beim Interview mit einer Mennonitschen Reporterin

beim Interview mit einer Mennonitschen Reporterin

Nach der Demonstratition gab ich ein Interview auf deutsch ueber die Demo und Tierraviva an eine menonitische Radioreporterin. Im Norden Paraguays leben ca. 40.000 deutschsprachige Mennoniten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Mennoniten) So konnte ich mich noch  nuetzlich machen.
Die Reise ins Chaco hat mir alles in allem gut gefallen, vorallem meine Kollegen habe ich so besser kennen gelernt. Leider war es sehr heiss und mich haben unglaublich viel Muecken gestochen worden.
Eine Woche spaeter habe ich mit meinem Chef Ricardo ueber den Erfolg der Demonstration gesprochen. Denn natuerlich haben die Indigenas bei vielen Autofahrern durch diesen Streik keine Sympatien  gemacht. Er sagte mir, die Demo sei in der Hinsicht, dass die Indigenas es geschafft haben, zu mobilisieren, ein Erfolg. Leider hatte die Demo keine grosse oeffentliche Aufmerksamkeit genossen, denn die Radiostationen, mit denen wir gesprochen haben, senden nur im Chaco, nicht bis Asuncion, wo sich das politische Leben abspielt. Eine Demo vorm Parlament, wie sie von Tierraviva auch schon organisiert wurde, ist da deutlich effektiver, aber auch um einiges teurer. Da muss man naemlich fuer den Transport der Indigenas aus dem Chaco zahlen.
Die Arbeit allgemein macht mir jetzt mehr Freude Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich mein Spanisch verbessert hat, die Hintergruende der Demo habe ich z.B. komplett in Spanisch erfragt. Ich werde aber trotzdem demnaechst noch einen Spanischkurs besuchen.
Letzten Freitag habe ich mitgeholfen die Anlage fuer unsere Radioshow

Ricardo und Santi, die Moderatoren unserer Radioshow

Ricardo und Santi, die Moderatoren unserer Radioshow

aufzubauen, der ich dann gespannt folgte. Unter anderem ging es um den Besuch von President Lugo im Chaco. Zum Schluss gab ich sogar noch ein kleines Interview in dem ich zuerst auf Spanisch und dann auf Deutsch (fuer die Mennoniten) meine Erfahrungen von der Demonstration praesentierte.

Family life:
Nicht nur in meinem Job, auch in meiner Familie hat sich einiges veraendert: Mein juengster (16) Gastbruder Amhed ist seit letzten Freitag fuer ein Jahr in

Familia Buzarquis am Flughafen: Enrique, Mariza, Amhed, Ich und Tania

Familia Buzarquis am Flughafen: Enrique, Mariza, Amhed, Ich und Tania

Deutschland zum Schueleraustausch. Er wohnt bei einer Familie in Wilhelmshaven. Zum Abschied sind wir beide fuer ein paar Tage nach Ciudad del Este gefahren, dort wohnt und arbeitet Enrique, der Vater. Die Innenstadt von CdE ist ein riesiger Markt mit gefaelschten Sachen, noch groesser und guenstiger als der in Asuncion. Das liegt wohl daran, dass CdE nahe dem Drei-Laender-Eck mit Argentinien und Brasilien liegt.

In CdE haben wir auch den Itaipustaudamm besichtig. Dieser liegt auf der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien und ist nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China der zweitgroesste der Welt. Durch ihn sind fast 90% von Paraguays Energiebedarf abgedeckt. Dort arbeitet auch Enrique.
Amhed ist der Einzige aus der Familie, der fliessend Englisch spricht und mit

Amhed, Freunde und ich am Itaipustaudamm

Amhed, Freunde und ich am Itaipustaudamm

ihm habe ich die meiste Zeit verbracht. Deshalb war ich schon ein wenig traurig, als wir ihm letzten Freitag am Flughaven verabschiedeten. Da schien ich aber nicht alleinzu sein, 25 seiner Mitschueler kamen, um sich von ihm zu verabschieden.

Ersatzreligion Fußball:
Am Flughaven habe ich auch “Tata“ Martino, den Trainer der Fussballnationalmannschaft von Paraguay, getroffen und ein Foto mit ihm gemacht. Paraguay hat sich letzte Woche nach zwei Siegen (gegen Bolivien

zwei Fussballexperten: "Tata" und ich

zwei Fussballexperten: "Tata" und ich

und Argentinien) als zweites lateinamerikanisches Land nach Brasilien fuer die WM 2010 qualifiziert. Nach dem Sieg am Mittwochabend ueber Argentinien, der erste seit 13 Jahren, war die Stimmung in den Strassen ausgelassen. In der Innnenstadt stockte der Verkehr komplett, ueberall tanzten Leute, es wurde gefeiert als waere man schon Weltmeister. Ich hab ja schon erwaehnt, dass Fussball hier so etwas wie eine Religion ist.
Vor drei Wochen gab es el Superclassico (Superderby) zwischen den beiden besten Vereinsmannschaften Paraguays, die beide aus Asuncion sind: Olympia, mit 38 Meistertitel, gegen Cerro Porteño mit 28. Dass die Fanlager verfeindet sind, versteht sich da von selbst. Meine Familie sind Anhaenger von Cerro.

Paraguay Fans: zwei Cousins, Gastbruder Diego, Mariza und ich

Paraguay Fans: zwei Cousins, Gastbruder Diego, Mariza und ich beim Spiel gegen Bolivien

Ich interessiere mich schon Jahrzehnte fuer Fussball, aber so ein krasses Derby wie dieses habe ich in Deutschland noch nie  erlebt. Es faengt damit an, dass wir auf dem Weg ins Stadion auf Hinweis meines Gastbruders unsere Cerro-Trikots nicht anziehen sollten, obwohl wir zu viert unterwegs waren, da wir Angst haben mussten, zusammen geschlagen zuwerden, falls wir auf eine groessere Gruppe von Olympiafans traefen.
Kurz vorm Anpfiff flog ein Gegenstand aus dem Cerro-Block und traf einen Olympiaverteidiger am Kopf, der darauf blutete. Er konnte dann aber doch weiterspielen. Es gab insgesammt 3 rote und zig gelbe Karten. Ausserdem gab es staendig Rudelbildung, die einmal fast in einer Schlaegerei endete. Nach dem Spiel wurden die Cerro-Fans erst eine halbe Stunde spaeter rausgelassen, damit es nicht zu Schlaegereien kommt. Cerro gewann das Spiel mit 1:0 und eins scheint ueberall auf der Welt gleich zu sein: Nach einem Derbysieg sind die vorherigen schlechten Leistungen (im Falle von Cerro 3 Pkt aus 4 Spielen) bei den Fans vergessen.

Das wars soweit aus Asuncion.

PS:
Fuer alle, die nochmehr ueber die Situation der Yakye Axa und Sawhoyamaxa wissen wollen, kann ich den folgenden Artikel von Amnesty International empfehlen:
http://www.amnesty.de/files/Amnesty_Bericht_Indigene_Paraguay_45-005-2009_deutsch0409.pdf

PS2:
In meinem naechsten Artikel werde ich unter anderem ueber die politische und wirtschaftliche Situation in Paraguay, Geografie Paraguays, das Treffen der Haeuptlinge der Indigenas, einen 15. Geburtstag, der mit Abstand der wichtigste ist im Leben eines Teenagers und das Nachtleben von Asuncion berichten.

Hasta Luego,

Nicolas

La Vida paraguaya

30. August 2009

Seit zwei Wochen wohne ich nun in Asunción und das Leben hier ist sehr aufregend und abenteuerlich. Jeden Tag erlebe ich hier etwas Neues. Im Vergleich dazu war die Schule nach 14 Jahre doch ziemlich zur Gewohnheit geworden.

Im Moment gehe ich vormittags arbeiten und nachmittags habe ich drei Stunden Sprachkurs. Der bringt aber nicht viel, da er Beginnerniveau ist und ich schon drei Jahre Spanischunterricht in der Schule hatte. Ich unterhalte mich viel mit meinen Kollegen bei der Arbeit. Dadurch wird mein Spanisch besser.
Die Arbeit gefaellt mir soweit gut. Ich arbeite fuer Tierraviva (http://www.tierraviva.org.py/www/ webside ist leider nur in spanisch),  eine NGO, die sich fuer die Landrechte der indigenen Bevoelkerung einsetzt, die im Chaco leben. Den Indegenas ist durch das Ley 904/81 aus dem Jahr 1981 in der Verfassung zugesichert, dass der Staat ihnen Land geben muss, auf dem sie in ihrer traditionellen Weise leben koennen. Das Land zum Leben muesste der Staat von Grossgrundbesitzern abkaufen. Grossgrundbesitz ist in Paraguay ueblich, die Grossgrundbesitzer sind mächtig und haben Freunde in der Regierung. Deshalb hat die Regierung auch noch nichts unternommen, obwohl der Stamm Yakye Axa, um den sich Tierraviva kuemmert, immer noch zwischen einer Schnellstrasse und einer riesigen Farm leben muss.
Im Jahr 2005 entschied der Interamerikanische Gerichtshof fuer Menschenrechte, dass der Staat Paraguay vier Jahre Zeit hat, den Yakye Axa Land zum Leben zu geben. Die Frist ist nun verstrichen und es hat sich nichts getan. Deshalb werden die Yakye Axa und andere Staemme am 1. September die Strasse, neben der sie wohnen, blockieren,  um so einer breiteren Oeffentlichkeit zu zeigen, dass der Staat sich nicht an das Gesetz haelt.
Ich werde mit vielen meiner Kollegen vor Ort sein.

Tierraviva finanziert sich durch Spenden aus Europa, unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Norwegen .
Die Arbeitsatmosphaere ist sehr locker, das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten Mitarbeiter nebenbei noch an der Uni studieren. So ist es z.B. vollkommen normal, dass man waehrend der Arbeit private Emails schreibt, bei MSN Messenger chattet oder schaut was es auf Facebook neues gibt. Auch von der Kleidung her ist es sehr locker, mein Chef hat sogar gesagt, dass im Sommer alle in kurzer Hose und T-Shirt kommen.

 

Letzte Woche habe ich erfahren, dass Tierraviva jeden Freitag eine dreistuendige Radioshow macht, in der ueber die Situation der Indegenos gesprochen wird. Mein Chef hat mich auch schon gefragt, wann wir unsere erste Show zusammen machen. Ich habe geantwortet, sobald ich fliessend Spanisch spreche. Mein (noch) schlechtes Spanisch ist auch der Grund dafuer, warum ich noch keine konkreten Aufgaben bekommen habe. In den ersten Tagen sollte ich Artikel ueber die Guarani (ueberbegriff fuer alle Indigenenstemme) aus der Zeitung ausschneiden und abheften. Zuerst war ich etwas enttaeuscht. Ich dachte mir, wozu habe ich eigentlich Abitur gemacht, um hier Artikel auszuschneiden. Dann ist mir aber klar geworden, dass das leider im Moment der einzige Weg ist,  mich nuetzlich zu machen. Ausserdem durfte ich dabei Musik hoeren, deshalb war es nicht so schlimm. In der restlichen Arbeitszeit habe ich mich hauptsaechlich ueber die Guarani informiert, dazu Buecher auf Englisch und z.T. auch auf Spanisch gelesen.

Feste Arbeitszeiten gibt es hier nicht. Vor allem Morgens kann jeder fuer sich entscheiden, wann er beginnen moechte. Allgemein gibt hier bei fast allen Terminen, selbst beim Schulunterricht eine gewisse Toleranzzeit innerhalb der die Meisten eintreffen. Nur wenn man sich zum Fussballspielen verabredet, sind alle puenktlich.

Fussball ist hier ueberhaupt fuer viele so etwas wie eine Ersatzreligion. Mein Gastbruder z.B. ist Fan von Cerro Porteño und hat seit Jahren kein Spiel im Stadion verpasst. Ausserdem spielen hier fast alle Leute in ihre Freizeit Fussball, ich werde im Buero oft zum abendlichen Fussballspielen eingeladen. Auffaellig ist, dass die meisten hier zwar ein sehr gutes Ballgefuehl haben, aber nicht so gut im Team zusammen spielen koennen wie in Deutschland.

In meinem letzten Blogeintrag hatte ich schon die verrueckte Art und Weise erwaehnt ,wie die Leute hier Autofahren. Das Busfahren war anfangs auch ein kleines Abenteuer und gewoehnungsbeduertig. Feste Haltestellen und Fahrplanzeiten gibt es hier naemlich nicht. Deshalb sind die Busse auch mitverantwortlich dafuer, dass alle zu spaet kommen oder koennen zu mindest als Ausrede benutzt werden. Wenn man mit dem Bus fahren will, stellt man sich einfach an eine Strassenkreuzung, wenn ein Bus vorbeifaehrt, streckt man den Arm aus und er haelt an. Eine Fahrt kostet hier immer 2100 Guarani(ca.25 cent) egal ob man nur ein paar Blocks oder mehrere Kilometer mitfaehrt. Monatskarten gibt es auch nicht. Der grosse Unterschied zu Busfahren in Deutschland ist aber, dass der Busfahrer sofort losfaehrt und waehrend er beschleunigt,  das Wechselgeld rausgibt. Die Busse fahren hier genauso risikofreudig wie die restlichen Verkehrsteilnehmer, sind sehr wackelig und zum Teil etwas versifft – naja der RMV ist ja auch nicht perfekt. Wenn man aussteigen moechte, zieht man an einer Schnur an der Busdecke, dann faehrt der Bus an der naechsten Kreuzung langsamer, so das man rausspringen kann. Bahnen gibt es hier keine. Paraguay hat insgesammt auch nur 36 km Schienen.

Das wars bis jetzt.  Am Montag fahren wir fuer drei Tage ins Chaco. Danach gehts am Donnerstag direkt weiter mit Ahmed nach Ciudad del Este um den Vater der Kinder zu besuchen.

 

Hasta Luego

Nicolas

p.s. Mit den Fotos habe ich immer noch Probleme. Die kommen dann mit dem naechsten Artikel.

Los primeros días

12. August 2009

Am Donnerstag abend sind wir losgeflogen. Das Flugzeug hatte 50 Minuten Verspatung und so sind Jan, Steffi(zwei weitere Weltwaerts-Freiwillige) und ich nach einen Trip von 21 Stunden um 10 Uhr Ortszeit in Asunción am Flughafen angekommen. Dort wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt.

Als Erstes ist mir aufgefallen wie die Leute hier Auto fahren und wieso AFS es uns verboten hat: Niemand blinkt

wenn er die Spur wechselt, dementsprechend ueberraschend ist es wenn jemand einscheren will. Kaum jemand haelt Abstand zum Vordermann und auf der Autobahn wird rechts ueberholt, obwohl das verboten ist.

Die Stadt an sich, soweit ich sie bis jetzt gesehen habe, erinnert nicht umbedingt an ein 3.Welt-Land. Die meisten Strassen sind geteert und in einem recht ordentlichen Zustand, allerdings gibt es Schlagloecher. Steffi, die ausserhalb von Asunción lebt, hat mir erzaehlt, dass der Zustand der Strassen auf dem Land deutlich schlechter ist. Auffaellig ist auch, dass es in der Innenstadt von Asunción viele Einbahnstrassen und wenige Ampel gibt. An vielen Stellen fehlen ein paar Meter geteert

er Buergersteig, dort ist dann nur Sand oder Geroell. Und es liegt auf vielen Strassen Muell. Denn die meisten Menschen werfen, wenn sie unterwegs sind, Muell, wie Cola-Dosen, einfach auf die Strasse oder in den naechsten Vorgarten. Zudem neigen viele Maenner dazu einfach auf die Strasse zu pissen, anstatt sich eine Toilette zu suchen.

Obwohl in und um Asunsión fast 2 Milionen Menschen leben, kommt es einem nicht so vor als wuerde man ein einer Metropole leben, da es meist zielich ruhig ist und auch auf den Strassen sich keine Masse von Menschen tummelt. Eine U-Bahn oder

Zuege gibt es nicht, dafuer viele Buslinien.

Von Kriminalitaet habe ich bis jetzt nichts mitbekommen. Das liegt aber sicherlich daran, dass meine Familie downtown in einer sehr ruhigen Gegend lebt. Die Kriminalitaet kommt vorallem in Problemvierteln vor. Deshalb hat meine Familie mir verboten mich in der Wohngegend um den Fluss Rio Paraguayo aufzuhalten, da es dort zu gefaehrlich ist.

Meine Familie ist sehr freundlich und hilfsbereit. Sie haben schon in den Briefen an mich geschrieben

Unser Haus

Unser Haus

, dass sie mich wie einen Sohn behandeln werden. Wir wohnen in einem grossen Haus und ich habe mein eigenes Zimmer bekommen. Einen Securitymann gibt es nicht, nur einen hohen Zaun.

Die Eltern Mariza (52) und Enrique(53) scheinen wohlhabend zu sein. Enrique arbeitet in der Ciudad del Este bei den Itqipú-Wasserfaellen in einem Wasserkraftwerk. Er ist nur am Wochenende da. Mit Ihm habe ich bis jetzt nur am Telefon gesprochen. Mariza ist Hausfrau. Der aelteste Sohn (31), der auch Enrique heisst wohnt in Argentinien und hat eine sechs-jaehrige Tochter.

Hier ist es ueblich, dass Kinder bis sie verheiratet sind noch zuhause wohnen. Deshalb wohnen Tania (27) und Diego (21) auch noch hier.Tania studiert Geschichte und Diego arbeitet fuer eine Tankstellenfirma. Mit Diego war ich am Samstag bei einem Fussballspiel von Cerro, seiner Lieblingsmannschaft, die 2009 die Meisterschaft gewonnen hat. Er hat mir auch gleich ein Trikot von Cerro geschenkt. Es hat zwar viel Spass gemacht, sich das Spiel in der Stehkurve anzuschauen, aber so toll wie die Bundesliga ist es dann auch nicht.

Der juengste Sohn (16) heisst Ahmed er wird im Semptember fuer ein Jahr nach Deutschland gehen. Er wohnt dann in einer Kleinstadt in der Naehe von Bremen.

Ohne ihn waere ich hier total verloren. Er ist der Einzige aus der Familie, der fliessend englisch spricht. Deshalb muss er oft ueberstetzen was die anderen mir sagen. Die anderen warten dann geduldig bis ich es verstanden habe.

Das Bett im meinem Zimmer war 15 cm zu kurz fuer mich, freundlicherweise hat sich Tania bereit erklaert mit mir Betten zu tauschen. Ahmed hat mir geholfen das neue Bett ueber den Balkon in mein Zimmer zu heben, weil die Treppe zu eng war.

Am Samstag war ein Treffen im AFS-Buero, bei dem wir Freiwillige nochmal ueber die Kultur, die Guarani (Indigenebevoelkerung), Matetee und die hier typischen Handzeichen gesprochen haben. Dort haben wir auch erfahren, dass Paraguay das von allen suedamerikanischen Laendern am meisten Macho-gepraegte Land ist. Ausserdem neigen die Paraguayos wohl dazu, ziemlich faul zu sein.

Bis jetzt gefällt es mir hier sehr gut. Das einzige, was stoert, ist das Wetter: Es regnet oft in Stroemen und dazu kommt noch ein ziemlich kuehler Wind. Aber was solls: ab September soll es richtig warm werden.

Ausserdem hat mich verwundert, wie puenktlich alle hier sind. Mir wurde ein allumfassendes Zuspaetkommen prophezeit, mich daran zu assimilieren, würde mir nicht schwerfallen. Bis jetzt war aber alles im Zeitplan. Naja, soweit die ersten Eindruecke.

Hasta Luego

Nic

Vorbereitung vorbei, Vorfreude voraus

29. Juli 2009

Nächste Woche Donnerstag(6.Aug.) ist es soweit: Ich fliege über St. Paulo nach Asuncion.

Nachdem ich  zwei Vorbereitungsseminaren und einigen Impfungen hinter mich gebracht habe und mich zudem über  Land, Leute und Geschichte Paraguays informiert habe, fühle ich mich gut vorbereitet. Leider habe ich immer noch keine Informationen über meine Gastfamilie. Aber das geht anderen Freiwilligen genauso. Aber kein Grund besorgt zu sein, denn Lateinamerikaner neigen sowieso dazu spät dran zu sein.
Vor meinem Abflug muss ich zwar noch 1000 kleine Dinge erledigen aber die Vorfreude auf eine Jahr im Ausland überwiegt doch. Ich gehe davon aus, dass ich viele neue Erfahrungen machen werde, von denen ich dann an dieser Stelle regelmäßig berichten werde. Der nächste Artikel kommt direkt aus Paraguay. Bis dahin.

Nicolas


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