Weihnachten steht vor der Tuer. Aber bei 36º C im Schatten fuehlt es sich nicht wirklich weihnachtlich an. Adventskranz, -kalender und Weihnachstmarkt gibt es hier nicht, Weihnachtsdekoration an oder in Haeusern habe ich kaum gesehen. Das ist ein krasser Gegensatz zu den Erfahrungen meines Auslandsjahres in Kanada, wo die Weihnachtsbeleuchtung, die an fast allen Haeusern massig vorhanden war, die Nacht erhellte. Auch Tannenbaeume sind hier nicht verbreitet und wenn, dann nur aus Plastik. Hier ist es dagegen ueblich, dass man ein Krippenspiel im Wohnzimmer stehen hat. Leider gibt es keine selbstgebackenen Weihnachtsplaetzchen. Vorallem aber faellt auf, dass die Schaufenster von Geschaeften nicht so krass dekoriert sind wie in Deutschland. Zusammenfassend laesst sich sagen, dass Weihnachten hier nicht so kommerzialisiert ist, dass liegt wohl daran, dass viele Paraguayer es sich nicht leisten koennten, ihr Geld fuer so etwas wie Weihnachtsdekoration auszugeben. Deshalb schenken sich die meistens Paraguayer, so wie auch meine Familie, auch keine Geschenke.
Seitdem es so heiss geworden ist, treffen sich abends Leute zu kleinen Parties in Parks oder einfach auf der Strasse und hoeren bis in die Morgenstunden laute Musik aus ihren Autos. Die Idee der stillen Nacht, heiligen Nacht scheint hier wohl auch nicht so verbreitet zu sein.
Vier Monate in Tierraviva
Dass die laute Musik die arbeitende Bevoelkerung beim Schlafen stoeren koennte, scheint die Feiernden nicht zu wirklich interessieren. Ich will mich aber auch nicht zu sehr darueber beschweren, da ich zum Einen erst seit Kurzem zur arbeiten Bevoelkerung gehoere und auf der anderen Seite auch nicht immer nur stillschweigend die Nacht verbracht habe.
Ich habe aber festgestellt, dass es etwas anderes ist, mogens zur Arbeit als zur Schule zu gehen. Der groesste Unterschied ist, dass sich, falls ich mal morgens zu spaet komme, niemand aufregt, da meine Kollegen selbst nicht
immer puenktlich sind. Ausserdem finde ich meine Arbeit ziemlich interessant und ich habe doch das Gefuehl, dass Tierraviva wirklich etwas bewegen kann. Meine Arbeit- momentan das Uebersetzen der Website – bringt meiner NGO wirklich etwas und ist keine Arbeitsbeschaffungsmassnahme, wie es in den Projekten von befreundeten Freiwilligen schon vorgekommen ist. Wahrscheinlich gefaellt mir meine Arbeitsstelle auch deshalb so gut, weil meine Kollegen sehr engagiert arbeiten, aber in der Mittagspause immer Zeit fuer Scherze habe. Zudem sind sie immer freundlich und bereit, mir Dinge auch zweimal zu erklaeren. Ich bewundere sie ein bisschen dafuer, dass einige, obwohl sie schon seit 15 Jahre fuer die Rechte der Indigenas kaempfen und auch schon einige herbe Niederlage einstecken mussten, die Motivation und gute Laune noch nicht verloren haben.
Uebrigens: die Entscheidung ueber das Alternativland der Yakye Axa und Sawhoyamaxa wurde in den Januar vertagt, wie auch der Rechtsspruch ueber den Antrag, der Senatorin und Praesidentin der Kommission fuer Menschrechte de Acha die parlamentarische Immunitaet zu entziehen.
Futbol
Der ein oder andere mag sich ja schon gefragt haben, warum ich an dieser Stelle so haeufig und viel ueber den Fussball hier berichte. Das liegt hauptsaechlich daran, dass Fussball hier Teil der Kultur ist. Jeder hier ist Fan eines Teams – unabhaengig des Geschlechts, Alters oder sozialem Stand. Fan sein ist hier aber nicht dasselbe wie Fan sein in Deutschland. Das Extrem sind hier die Ultras, die alle Spiele ihres Vereins im Stadion besuchen und sich fuer ihren Verein mit Fans anderer Vereine schlagen oder in einem traurigen Fall sogar toeten.
Auf der anderen Seite, die „Fans“ die sich nicht mal die Zusammenfassungen der Spiele im Fernsehen anschauen oder Zeitungsberichte darueber lesen, sich aber trotzdem freuen, wenn sie hoeren, dass ihr Verein gewonnen oder der Erzrivale verloren hat.
Allerdings habe ich bis jetzt noch nie eine Diskussion ueber Taktik oder Aufstellung mitbekommen. Das mag auch daran liegen, dass man bei manchen Spielen hier das Gefuehl hat, dass ueberhaupt keine Taktik vorhanden ist. Die Spieler stehen nie so oekonomisch ueber das Feld verteilt wie in Europa und oft wird viel zu lange erfolglos rumgedribbelt anstatt einen gescheiten, schnellen Pass zu spielen. Matthis, ein anderer deutscher Zivi, bezeichnete den Fussball hier als „unterirdisch“ und ich glaube, dass die Vereine der paraguayischen Liga nur auf dem Niveau der 3. Bundesliga sind. Es gibt zwar sehr viele gute, suedamerikanische Fussballer, die spielen allerdings in Europa.
Mit diesen letzten Eindruecken verabschiede ich mich nun in die „Winterpause“. Zwischen Weihnachten und Neujahr werde ich mit meiner Gastfamilie u.a. nach Argentinien reisen. Der naechste Bericht kommt dann im Januar.
Ich moechte mich bei allen meinen Lesern bedanken, die letzten Artikel hatten immerhin je 120! Und wuensche allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
Feliz Navidad y Feliz Año Nuevo
Nicolas








